Mittwoch, 13. Februar 2013

Meine Probleme mit der Sexismus-Debatte



Mich macht die Sexismus-Debatte ehrlich gesagt etwas sauer und irgendwie verwirrt sie mich auch. Vor fast zehn Jahren begann ich mit der Arbeit an meinem ersten Buch Der alltägliche Wahnsinn der Frau. In diesem habe ich Themen angesprochen, die jetzt heiß diskutiert werden. Damals wurde ich mehr oder weniger oft für meine Aussagen angegangen. Der allgemeine Tenor, unter Frauen, war, dass Emanzipation eigentlich kein Thema mehr sei, da wir ja schon emanzipiert wären.
Noch immer vertrete ich die Thesen, die ich damals aufgestellt habe und nun werde ich wieder angefeindet, allerdings bin ich jetzt zu realitätsfern, weil ich zu unfeministisch bin.
Ich bin der Meinung, dass man weder allen Männern unterstellen sollte, sie würden Frauen nicht als Menschen sehen, noch heiße ich es gut, zu sagen, Frauen sind die Opfer und aus dieser Rolle können sie sich nicht befreien, die Veränderung muss von den Männern kommen. Ich weigere mich einfach, dass man mich in eine Opferrolle drängt, nur weil ich eine Frau bin und nur die Männer können mich daraus befreien.
Wir Frauen müssen uns gegen diese Rolle wehren, sie ablegen und jedem der sie uns überstülpen will einen Tritt verpassen. Ich möchte den Blick von der Arbeitswelt ein wenig wegnehmen und auf den Alltag richten. Nur so viel zur Arbeitswelt, ich denke, die Wurzel des Problems liegt weniger im Sexismus, sondern in einer Angst und Macht durchtränkten Atmosphäre. Wenn ich ständig Angst haben muss meinen Job zu verlieren, dann werde ich auch weniger Mut aufbringen mich gegen Ungerechtigkeiten, egal welcher Art, aufzulehnen. Arbeiter müssen das Gefühl bekommen, sie sind wichtig, ihre Arbeit ist etwas wert und ihre Leistung wird honoriert.
Zum Alltag, den Kleinigkeiten, die meiner Meinung nach eine große Auswirkung haben. Mir will z. B. nicht in den Kopf, warum so viele Frauen aus sich oder ihren Töchtern unbedingt Prinzessinnen machen wollen. Die Königin hat Macht, sie regiert, sie trifft Entscheidungen, sie führt. Prinzessinnen müssen nur hübsch aussehen, auf ihren Prinzen warten und ihm Nachkommen schenken. Warum machen das Frauen mit?
In meiner Kindheit durften Mädchen auch gelb und blau und grün und rot tragen. Es gab Sachen für Jungs und für Mädchen, aber nicht alles war rosa oder pink. Nicht einmal Barbie hatte immer nur pinke Kleider. Was ich sehe ist, dass Kinder schon in einem Alter, indem sie nicht einmal wissen, ob sie Männchen oder Weibchen sind, schon in alte klischeehafte Rollen geschupst werden. Das Mädchen ist die Prinzessin, der Junge der Pirat. Diese Spaltung treibt die Menschen immer weiter auseinander. Ich Mann, du Frau. Wie wäre es mit: Wir Menschen.
Frauen können so viel für die Gleichberechtigung tun, schon in ihrem Alltag. Unterstützt diese Trennung nicht, gebt euren Kindern einen Sinn für Gleichberechtigung mit. Mädchen dürfen Rabauken sein und Jungs sensibel. Sagt klar und deutlich, nein, wenn euch etwas zu weit geht. Erkennt eure eigene Stärke und beschimpft andere Frauen nicht als Zicke oder Schlampe.
Erkennt, welche Rituale ihr unterstützt, die euch klein halten. Ein Beispiel. Viele Frauen träumen von einer weißen Hochzeit, bei der der Vater die Braut dem zukünftigen Mann übergibt. Eine schöne Tradition, einfach nur romantisch. Ich sehe das ein bisschen anderes. Dieses Übergeben stammt aus einer Zeit, als die Frau Besitz war. Der Vater übergibt die Tochter dem Mann, als Zeichen, dass sie von seinem Besitz in den des Mannes übergeht.
Mir ist bewusst, dass das viele heute nicht so sehen, sie argumentieren, es zeigt, dass der beschützende Vater, die Tochter in den Schutz des zukünftigen Ehemannes übergibt. Ist das wirklich besser? Heißt das nicht, ich als Frau bin so schwach, dass ich Schutz von Männern brauche?
Was ist mit dem Mann? Ist es nicht eine ziemliche Bürde immer der Beschützer sein zu sollen, brauchen Männer, denn nie Schutz?
Eine Beziehung sollte doch ein Ort sein, an dem sich beide Personen beschützen und Sicherheit geben.
Meiner Meinung nach liegt der gefährlich und wahre Sexismus im alltäglichen Leben und den Köpfen der Menschen, nur wird darüber nicht gesprochen.


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