Samstag, 19. Oktober 2013

Alles sehr kompliziert






Entdeckt man an sich Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen, die einem nicht gefallen (zu aggressiv, zu mürrisch, zu misstrauisch ...), dann kann man versuchen, sich zu ändern. Unabhängig davon, ob man es nur für sich tut, oder weil das Umfeld merkwürdig reagiert, haben die Menschen in unserem Leben einen enormen Einfluss auf solche Vorhaben.

Sagen wir, man geht zu schnell hoch, was einem so gar nicht gefällt, schließlich will man seine Nerven, sein Blutdruck und seine Mitmenschen schonen. Meditation, bis 10 zählen, innehalten, man sucht sich Strategien, um ruhiger zu bleiben.

Meditieren finde ich persönlich eine gute Methode, ebenso das Innehalten und sich fragen, warum werde ich gerade so sauer?
Die Frage und das Nachdenken lenken von der Wut ab, bringen einen wieder runter. Wichtig ist dabei, nach dem wirklichen Grund zu suchen.
Ist es wirklich so schlimm, dass sich der andere um 30 Minuten verspätete hat? Oder macht mich etwas völlig anderes an dieser Situation so sauer?
Bin ich nicht eher deswegen wütend, weil wir so zu spät bei den Eltern eintreffen, was dazu führt, dass sie einen weiteren Beweis für meine Unzuverlässigkeit haben? Ist nicht das Gefühl der Unzulänglichkeit der Grund für meine Aggressionen?

Wem das zu anstrengend ist, der kann auch einfach bis 10 zählen oder sich eine Rauchen gehen, wenn er merkt, dass sich sein Kopf der Decke nähert.

Hat man nun für sich Strategien gefunden, mit denen man ruhiger bleibt, ist der erste Schritt gemacht. Es wird Momente geben, in denen es besser funktioniert, und dann wird es wieder Zeiten geben, da klappt es gar nicht.
Man könnte meinen, das Rangeln mit seinen alten Verhaltensweisen ist das Schwierigste.
Aber nein. Ich habe festgestellt, dass das Rangeln mit dem Bild, was andere von einem haben, viel heftiger ist.
Der Partner, die Familie oder enge Freunde kennen einen schon seit Jahren als jemand, der schnell an die Decke geht. So wie man selbst in bestimmten Momenten ganz automatisch mit Wut reagiert, so reagieren auch die anderen Menschen automatisch auf einen.
Das Problem an Automatismen ist, dass sie einfach ablaufen.

Der Partner verspätet sich. Man selbst bleibt dieses Mal ruhig, sagt aber (in ruhigen Ton), es wäre nett gewesen, wenn er angerufen hätte. Der Partner hat überhaupt nicht die Zeit zu begreifen, dass gerade etwas anders war, denn schon läuft sein automatisches Programm der Verteidigung ab.
Darauf wieder ruhig zu reagieren, ist schwer. Denn was man eigentlich braucht, ist eine positive Bestätigung. Bleibt man ruhig, der andere meckert einen trotzdem an, dann verfällt man schnell in ein Gefühl der Gleichgültigkeit.

"Egal, was ich tue, es kommt trotzdem zum Streit. Es ist völlig egal, ob ich meine Wut ablege."

Nein es ist nicht egal. Denn Wut, Misstrauen, Angst sind nicht gut für einen. Sie machen einen nervös, unglücklich und verbrauchen viel zu viel Energie.

Man muss nicht nur mit sich Geduld haben, sondern auch mit den Menschen in seinem Leben. Die müssen sich ebenso auf das neue Verhalten einstellen, wie man selbst. Ich bin immer für ein offenes Wort in solchen Situationen. Manchmal hilft es der anderen Person zu sagen, dass sie so nicht mehr reagieren muss, da man ruhiger bleibt.
Es ist nicht leicht, die Dinge abzustellen, die nicht gut für einen sind. Geduld, Zuspruch und stets die Erinnerung daran, warum man es macht, können dabei sehr hilfreich sein.

Ich wünsche allen ein friedliches Wochenende mit viel Verständnis.

Angela Gäde

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