Samstag, 2. November 2013

Love, Liebe, Amore








Let us talk about Love.
Ich beginne mit einem Outing, ich bin unromantisch. Ich stehe nicht so sehr auf Liebeslieder und besitze keine Liebesromane (keine im herkömmlichen Sinn).

Bin ich jetzt merkwürdig?
Merkwürdig bin ich, aber nicht wegen der zuvor genannten Dinge.

Bei Romantik, Liebesliedern oder Liebesromanen geht es stets um partnerschaftliche Beziehungen, das ist mir zu eng.
Auf der Suche nach Romantik habe ich einige interessante Gespräche geführt. Ich habe versucht, den Sinn von Romantik zu erfassen. Meine Theorie war, Romantik ist ein außerbettliches Vorspiel. Anders gesagt, romantische Handlungen sollen zu Sex führen.
Mir wurde versichert, das sei nicht der tiefere Sinn, es gehe nicht um Sex, sondern um Liebe. Der Sinn von Romantik sei, schöne Momente mit dem Menschen zu erleben, den man liebt.
Ich habe das so hingenommen, doch bleibt die Frage, ob das auch bei selbst-herbeigeführten romantischen Situationen gilt? Wenn der eine Partner Kerzen aufstellt, eine Flasche Wein köpft, Rosenblätter verteilt und schnulzige Musik einschaltet, welche Motivation steckt dann dahinter? Vor allem, wenn die Rosenblätter auf dem Bett liegen?

Wenn es allerdings nicht um Sex geht, dann kann ich doch auch z. B. mit meiner besten Freundin romantische Situationen erleben. Oder?
Als ich nach romantischen Momenten (Sonnenuntergang, Essen bei Kerzenschein usw.) in meinem Gedächtnis suchte, fielen mir nur Situationen ein, bei denen ich z. B. mit meiner besten Freundin zusammen war.
Wenn es also dabei um das Teilen von schönen Momenten geht, kann ich Romantik dann nicht auch mit irgendwem, den ich liebe, erleben?

Liebe wird immer so eng gepackt, das stört mich.
Ich empfinde es als ungerecht der Liebe gegenüber. Die Liebe ist so groß, so vielseitig, aber in der Öffentlichkeit oder der Vermarktung wird sie stets auf zwei Menschen beschränkt.
Ich liebe meinen Partner. Ich liebe meine beste Freundin. Ich liebe meine Eltern, meine Familie. Ich liebe unseren Komu. Ich glaube auch, dass man mehr als einen Partner aufrichtig lieben kann.

Warum beschränken wir die Liebe ständig?
Ich finde, die Freundschafts-Liebe zwischen Frodo und Sam ist ein wunderbares Beispiel für die Vielschichtigkeit der Liebe. Es gibt freundschaftliche Liebe, familiäre Liebe, elterliche Liebe. Liebe kann man für Handlungen empfinden, Ideen oder Dinge. Die Liebe hat so unglaublich viele Gesichter und Nuancen, was wunderbar ist. Warum würdigen wir das nicht mehr?

Die Liebe gibt einem das Gefühl, man selbst sein zu können. Sie gibt einem Geborgenheit, einen Raum für sich und den anderen, in dem man nackt ist und nicht nicht friert, nicht seine Arme über der Brust verschränkt. Sie gibt einem die Sicherheit, seine Schwächen, Fehler und Unsicherheiten zeigen zu können.

Es ist schwer, jemanden zu sagen, dass man ihn liebt, leichter ist es, jemanden zu beschimpfen. Sagt man jemanden, dass man ihn liebt, kann das zu Ablehnung führen oder missverstanden werden.
Ist das ein Grund, warum nur eine Art der Liebe gesellschaftsfähig ist?
Mann und Frau lieben sich, was zu Sex führt, was zu Ehe und Kindern führt. Das ist eine Form der Liebe, die weitverbreitet und logisch ist. Viele können das nachvollziehen, da sie es selber leben oder anstreben. Aber Liebe gibt es auch außerhalb dieses Rahmens.

Warum ist es so schwer, zu glauben, dass Liebe auch ohne Sex vorhanden sein kann?
Man kann auch jemanden lieben und keinen Sex von ihm wollen.
Sex ohne Liebe geht, aber Liebe ohne Sex … Oh, schwer vorstellbar.

Vielleicht bin ich nicht besonders romantisch, aber ich bin ein großer Fan der Liebe.
Ich glaube, dass die Liebe eine unglaublich große Macht in sich birgt und vielleicht haben wir deswegen eine solche Angst vor ihr.

Ich wünsche allen ein Wochenende voll Liebe (ob mit oder ohne Sex).

Angela Gäde



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