Mittwoch, 20. November 2013

Naiv oder paranoid?


Als ich heute die Wäsche aufgehangen habe, überlegte ich so vor mich hin und dann kam mir diese typische Filmszene: Eine Frau will die Wäsche machen, greift in die Taschen der Hose des Ehemannes und zieht einen Zettel heraus, auf dem eine Telefonnummer und ein Kussmund zu sehen sind.
Ich dachte jetzt also über diese Szene und das Fremdgehen nach und dann wurde mir bewusst, dass mich wahrscheinlich viele Menschen in diesem Punkt für sehr naiv halten würden, wüssten sie, wie grenzenlos mein Vertrauen in dieser Sache ist.

Ich bin kein leichtgläubiger Mensch, eher etwas misstrauisch und vorsichtig, aber meinem Freund und meiner besten Freundin vertraue ich blind. Unsere Beziehung ist für Außenstehende sicher etwas merkwürdig (auf den ersten Blick). Für meinen Freund ist meine beste Freundin wie eine kleine Schwester. Die beiden gehen auch zusammen einkaufen oder trinken einen Kaffee. Das ist für mich ganz normal. Für manche Menschen ist das eher ein Grund zur Sorge. Aber ist es nicht schlimm, wenn man nicht einmal den Menschen, die einem am nächsten sind, vertraut?
Es gibt so viele Dinge, über die man sich Sorgen machen muss, sollte nicht in diesen Beziehungen Sicherheit herrschen?
Alle Worte, die ich in diesem Zusammenhang verwende, können als naiv ausgelegt werden. Wenn ich sage, ich weiß, dass mein Freund mich nicht betrügt, dann ist die Antwort darauf: Das haben auch schon andere gesagt und dann …
Sie ist meine beste Freundin, sie ist Blut für mich. Das muss nichts heißen, denk an …

Warum ist es so viel leichter zu glauben, dass man betrogen wird, als seinem Partner zu vertrauen?
Am Anfang unserer Beziehung hatten wir wegen dieses Themas mal einen sehr schlimmen Streit.
Kurze Zusatz Info zum besseren Verständnis; Während des Studiums arbeitete mein Freund auf Messen.
Er war für eine Woche weg, kam wieder und alles war super. Doch dann traf ich mich mit einer Freundin und das Gespräch wurde von ihr auf das Thema Fremdgehen gelenkt. Es dauerte ca. eine Stunde, bis sie mit der Sprache rausrückte.
„Ich muss dir was sagen. Von X habe ich gehört, dass sich dein Freund auf der Messe anderweitig vergnügt hat. Mit irgendeiner Blondine.“
„Das kann nicht sein, so etwas würde er nicht tun“, sagte ich und meine Worte waren voller Sicherheit.
„X weiß das aber von Y und Y hat das von W erzählt bekommen ... Dein Freund hat es W erzählt.“
„Mein Freund ist doch nicht doof. Wenn er mich betrügen würde, dann würde er es doch keinem erzählen“, sagte ich und war immer noch von seiner Unschuld überzeugt, auch wenn sich mein Magen leicht verkrampfte.
Als ich von ihr wegging und die Straßen entlanglief, wandelte sich die Sicherheit zu Unsicherheit. Ich brauchte ungefähr fünfzehn Minuten bis nach Hause, das reichte, um mich in ein schluchzendes Elend zu verwandeln. Die Zweifel kamen, nagten.
Wie kannst du nur so naiv sein?!
So viele Leute essen auswärts.
Was, wenn doch?

Ich wollte vernünftig mit ihm darüber reden, doch mittlerweile war der Zweifel so stark, war ich in einem Strudel aus Gedanken und Hohngelächter, dass die Vernunft in Urlaub gefahren war.
„So ein Unsinn! Wir rufen jetzt W an und fragen, was er erzählt hat!“
Das taten wir (bzw. mein Freund rief an und ich hörte zu).
Er schilderte W, in kurzen Worten, was getuschelt wurde. W überlegte und sagte dann, dass er mit Y gesprochen habe …

Was war geschehen?

Ganz einfach! Stille Post.

Mein Freund war Freitag abends von der Messe gekommen, einen Tag früher als erwartet. Anstatt sofort zu sich nach Hause zu fahren, war er direkt zu mir gekommen.
Mein Freund war also gerade am Bahnhof angekommen und auf dem Weg zu mir, als W anrief und fragte, wo er sei und ob er mit ihm und Y weggehen wolle. Mein Freund lehnte ab und erklärte, er hätte schon ein Date mit einer Blondine (damals war ich noch etwas heller).
Lach, schmunzel, ein paar Männerwitze.
Es stellte sich raus, dass mein Freund wirklich rumgeknutscht hatte, mit mir. Ich hatte geheult und stritten, weil er mich mit mir betrogen hatte.
Nette Geschichte, eigentlich hätte man an diesem Punkt zusammen lachen können, doch mein Freund war ziemlich sauer.
„Warum vertraust du anderen mehr als mir?“
Auf der einen Seite konnte er schon verstehen, warum ich misstrauisch geworden war, doch änderte das nichts an der Tatsache, dass ich ihn damit sehr getroffen hatte.

Natürlich würde jemand, der einen betrügt auch seine Unschuld beteuern und manchmal braucht man dann eine gute Freundin, die einem die Augen öffnet. Trotzdem bleibt die Frage, warum ist es so viel leichter davon auszugehen, dass man betrogen wird, als dem anderen zu vertrauen?


Ich wünsche allen einen vertrauenswürdigen Tag.

Angela Gäde

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