Sonntag, 29. Dezember 2013

Manchmal braucht man Kekse gegen die Angst




Ich werde nicht in allen Einzelheiten aufschreiben, was Panikattacken, Angstanfälle und Angststörungen sind. Googlet einen der Begriffe (oder alle) und ihr werdet sehr gute Informationsseiten finden. Wer mag, kann mich auch gerne anschreiben.
Eine besondere Gabe der Angst (oder sagen wir der meisten psychischen Störungen) ist es, einem alles zu vermiesen, einem die Dinge zu nehmen, die einem eigentlich Freude bereiten.

2008 hatte ich einen Komplett-Angst-Absturz. Ich habe nur geweint, gezittert, eine Panikattacke nach der anderen gehabt. Nichts, aber auch gar nichts hat mich entspannt, geschweige denn mir noch Freude gemacht. Ich liebe es, zu lesen, doch lesen war nicht möglich. Wie auch, wenn die Augen in Tränen ertrinken. Ein Buch nicht ruhig halten zu können, macht es auch nicht gerade leichter, da wird man schnell seekrank.
In der Zeit gab es drei (bzw. vier) Dinge, die mir sehr geholfen haben.

Die Unterstützung meines Partners und meiner besten Freundin.
Ich bin sooo dankbar für diese tollen, wunderbaren Menschen. Sie lassen sich nicht von der Angst abschrecken und stehen zu mir.

Fünf Sitzungen in einem Krisenzentrum.
In vielen größeren Städten gibt es diese Zentren. Wer schon mal versucht hat einen Termin bei einem Psychologen zu bekommen, der weiß, das ist nicht so einfach. Sollte jemand gerade jetzt, während er das hier liest, die Vorahnung haben, dass er in 6 Monaten einen Psychologen braucht, der sollte sofort einen Termin vereinbaren. Kein Scherz, es kann locker bis zu 6 Monaten dauern, bis man einen Termin bekommt.
Wenn es einem richtig schlecht geht, vielleicht sogar selbstmordgefährdet ist, dann sind 6 Monate verdammt lang. Wie der Name schon verrät, gibt es für solche Krisen diese Krisenzentren.
Man bekommt ein offenes Ohr, Rat und Unterstützung, was schon wirklich helfen kann.

Harry Potter (Hörbuch) war der dritte (oder vierte) Aspekt, der mir in der Zeit geholfen hat.
Vielleicht ist es die beruhigende Wirkung der Stimme von Rufus Beck, vielleicht ist es auch einfach Magie. Was es auch war, das Hörbuch hat mir geholfen ruhiger zu werden, mich zu konzentrieren.

Lange rede bis zum Punkt und zur Überschrift des Posts. Die Angst nimmt einem die Freude, den Spaß, sie ersetzt ihn, füllt jeden Winkel des Seins aus.

Das geht nicht!

Das ist inakzeptabel!

Das ist nicht gut für einen!

Man weiß, dass das und jenes einem Freude bereitet (bereitete), aber man spürt es nicht mehr. Die Angst erzeugt eine Freude-Amnesie. Man kann es einfach nicht fühlen.
Genau da setzte ich an mit meiner Arbeit an der Angst. Ich erobere mir meine Freude zurück. Manchmal klappt es, manchmal nicht, meistens ist es harte Arbeit.
Warum ist mir die Freude so wichtig?
Weil ich für mich festgestellt habe, dass Freude eine unglaublich gute Motivation und Belohnung ist.
“Wenn du deinen Rosenkohl isst, dann bekommst du auch ein Eis zum Nachtisch.“
Der Rosenkohl schmeckt davon nicht besser, aber für das Eis hat es sich gelohnt.
Ich liebe die Harry Potter Bücher und es hat Spaß gemacht, sie zu lesen. Also habe ich mich mit Harry Potter beduselt. Ich wusste, ich liebe die Geschichte und irgendwann kehrte das Gefühl der Freude zurück, ich erinnerte mich an das Gefühl.

Kurz vor Weihnachten, also vor gut einer Woche, ging es mir nicht gut. Ich war richtig down und ich hatte Angst wieder in so ein Angstloch zu fallen. Nichts machte Spaß, alles war grau und beängstigend, nicht einmal die weihnachtliche Dekoration berührte mich, erzeugte Freude.
Am Samstag war es ganz schlimm. Eigentlich wollte ich mit meiner besten Freundin Kekse backen, doch statt Mehl gab es Tränen.
Sie hörte zu, sagte mir, ich solle ruhig weinen, es rauslassen, wenn es raus müsse. Ich weinte, schimpfte, lachte, weinte, redete und um 22 Uhr fragte ich, ob wir noch Kekse backen sollen?
“Natürlich!“, war ihre Antwort.
Wir haben dann Kekse gebacken, bis 2 Uhr.
Das war gut!
Ich habe mich nicht gut gefühlt, ich hatte Angst, ich war traurig, ich war durch den Wind (ansonsten wäre mir vielleicht früher eingefallen die Küchenmaschine für 1 kg Teig zu benutzen und nicht die armen, zarten Hände meiner Freundin), habe gebacken und es hat Spaß gemacht.
Meine Gefühle sind immer noch wechselhaft, die Angst ist auch nicht weg, aber es geht mir ein bisschen besser.

Es sind Kleinigkeiten, die einem helfen können. Für Außenstehende ist es vielleicht merkwürdig, aber das ist egal, solange man sich besser fühlt, sich seine Freude zurückholt.
Lasst euch nicht die Freude nehmen, überlegt, was habt ihr gern gemacht?
Schreibt es euch auf und schaut, was ihr davon machen könnt. Vielleicht müsst ihr bei einigen Dingen improvisieren. Es kann sein, dass es dauert, bis ihr die Freude wiederfindet, aber sie wird komme.
Ich kämpfe nicht mehr gegen meine Angst, ich suche Wohlbefinden und Freude.

Ich wünsche euch einen selbstbewussten, freudigen Tag.

Angela

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen