Samstag, 29. März 2014

2.Tipps zum Schreiben: Aufbau und Struktur einer Geschichte, eines Romans



Ich habe im ersten Post dieser Reihe erwähnt, dass ich eine gute Geschichte erkennen kann, auch wenn sie aus einem Genre stammt, welches nicht meiner Liebhaberei entspricht.
Eine gute Geschichte, ein gutes Buch beinhaltet bestimmte Elemente, die ganz unabhängig vom Genre gleich sind.

1. Aufbau der Geschichte.

- Anfang = Einstieg (wir führen den Leser in die Geschichte/Welt ein. Sehr gelungen bei Harry Potter. Der Leser wird in der MuggelWelt abgeholt und fährt mit dem Zug in die Welt der Zauberer/der eigentlichen Geschichte.).

- Aufbau der Geschichte und Figuren (wir verraten dem Leser Geheimnisse oder zeigen ihm verstörende Ereignisse, lassen ihn teilhaben an den Gedanken der Romanfiguren).

- Höhepunkt (entweder lässt man die Geschichte in einem Vulkanausbruch explodieren, den der Leser schon lange erahnt hat oder man versieht den Höhepunkt mit einer unerwarteten Wendung).

- Schluss = Absetzen (wir bringen den Leser wieder zurück oder wir setzen ihn an der Bushaltestelle ab, wo er auf den zweiten Teil warten kann. Auch ein offenes Ende ohne einen zweiten Teil kann ein Schluss sein, dann darf der Leser selber entscheiden, wie es ausgeht. Aber VORSICHT; nicht viele mögen ein offenes Ende).

Eine Geschichte, egal ob es sich um eine Fantasy-, Liebes- oder Alltagsgeschichte handelt, zeichnet sich dadurch aus, dass sie spannend ist. Kann der Troll den Krieg beenden? Bekommt Lady McFlaffy ihren Stallburschen? Wer ist der Mörder? Endet das Familienessen in einer Katastrophe?

2. Spannung erzeugen:

- Spannung in den einzelnen Kapiteln erzeugen, z. B. durch Wechsel zwischen den Personen oder das Abschließen eines Kapitels an einem spannenden Punkt, der noch unaufgeklärt bleibt.

- Spannung im gesamten Buch erzeugen
-- nicht die Geschichte aus den Augen lassen und sie stetig ihrem Höhepunkt entgegentreiben.

- spannende und entspannte Szenen abwechseln.

- Nicht vor dem Höhepunkt alles verpulvern, sonst gibt es keinen Höhepunkt. Es sollten noch Geheimnisse, Blut, Mord und Wesen bis zum Höhepunkt vorhanden seien.

- Neue Personen, Wendungen oder Geheimnisse erzeugen Spannung.

Sind wir schon einmal bei den Personen angekommen, dann verweilen wir. Mensch, Oger, Troll, Pirat, Lady, Hexe, Katze … haben nicht nur eine Seite, ein Gefühl und eine Stimmlage. Die Personen (damit meine ich nicht nur Menschen, sondern alle Lebewesen) müssen plastisch dargestellt werden.

3. Personen
- Was ist das für eine Person (extrovertiert, introvertiert, lustig, böse, schlau, langweilig, exzentrisch)?
-- Wie kann ich das darstellen (Taten, Ticks, Sprache, Interessen, Gedanken)?*

- Durchlebt die Person eine Entwicklung während der Geschichte?

- Was sind die Ängste, Wünsche, Probleme, Geheimnisse dieser Person?

- Wie äußern sich diese (Sie könnte traurig gucken, wenn sie etwas Bestimmtes sieht, was auf ein Geheimnis hindeuten kann oder eine schreckliche Erfahrung.).

- Wie sieht die Person aus, wo kommt sie her … (Steckbrief).

*Wenn man eine Person zum Leben erwecken will, dann muss man sie leben lassen. Sie muss denken, fühlen und handeln. Dadurch erschließt sich ihr Charakter dem Leser. Es reicht nicht, wenn andere Personen über sie sagen, sie sei hübsch oder nett, selbst wenn das die andere Person 150 x in einem Kapitel tut. Es reicht auch nicht, wenn die Person von sich selbst behauptet, sie sei so unglaublich gefährlich, dann aber nichts tut, was darauf hindeutet.

Persönliches: Ich habe zu jedem Buch, jeder Person, jedem Ort, eben allem, was wichtig ist, Karteikarten angelegt. Darauf stehen der Name, Geburtsdatum, Haarfarbe, Augenfarbe und natürlich wichtige charakterliche Eigenschaften.
Besonders hilfreich sind die Karten, wenn man Serien schreibt, denn beim besten Willen kann ich mir nicht alles merken. Da meine Personen aber nicht im ersten Buch grüne und im dritten Buch violette Augen haben sollen, schaue ich immer wieder auf den Karten nach, um zu überprüfen, ob alles passt.

Einen Punkt habe ich noch, der zu einer guten Geschichte gehört. Nur wenn es sich um eine expressionistische Geschichte handelt, darf sie konfus sein. Beim experimentellen Schreiben darf man sich austoben, ansonsten sollte man Wert auf eine gewisse Logik legen.
Die Personen und Handlungen sollten in einem logisch nachvollziehbaren Verhältnis zueinander stehen.

4. Der logische rote Faden

- Immer die eigentliche Geschichte im Auge behalten.

- Alles um den Hauptstrang herum aufbauen.

- Nebenstränge irgendwann zum Hauptstrang zurückführen.

- Dem Leser genug Informationen geben, damit er Handlungen nachvollziehen kann.

- Nicht durch die Geschichte rennen.

Tipp: Oft bleiben die 4 Punkte zum Aufbau auf der Strecke, weil der Autor durch die Geschichte rennt. Ich kenne das Problem selber. Gerade bei meinen ersten Anläufen bin ich nur so durch die Geschichte gerannt. Ich hatte die Idee, die Geschichte vor Augen und wollte schnell ans Ziel. Die Geschichte war schließlich in meinem Kopf und wollte raus, nur bringt das dem Leser gar nichts. Bei der Überarbeitung merkte ich, dass es so nicht geht und auch meine Testleser waren gnadenlos.
Eine Geschichte braucht Zeit, um sich zu entfalten, ebenso die Personen.
Also macht langsam und rennt nicht durch die Geschichte.


Ich wünsche Euch einen gemütlichen Tag.


Angela Gäde

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