Mittwoch, 19. März 2014

Die Familie steht unter einem besondern Schutz. Aber was ist Familie?




Bei Frau-TV gab es einen Bericht über die Benachteiligung von Alleinerziehenden. Sie werden steuerlich behandelt wie Singles, nicht wie Familien oder Ehegatten. Soll heißen, die möglichen Steuererleichterungen liegen für sie weit unter dem, was ein kinderloses Ehepaar bekommen kann. Das ist nicht fair. Der Bericht war allerdings auch nicht so richtig fair, denn für mich klang es wieder einmal nach “Wir gegen Die“. Wir Alleinerziehende gegen die ohne Kinder.
So geht das nicht, auch das ist unfair.

Familie ist nur dann, wenn zwei heterosexuelle Menschen verheiratet sind.
Familie ist nur dann, wenn man mindestens ein Kind hat.
Familie ist …

Müssen wir nicht mal langsam von diesem Bild wegkommen? Ich will überhaupt nicht “Altem Bild“ sagen, denn alt ist dieses Bild nicht wirklich.
„Es bedarf eines ganzen Dorfs, um ein Kind großzuziehen.“ Sprichwort aus Afrika.
Das ist ein altes Bild und ein weises.
Oder wie es in einem meiner Lieblingsbücher heißt: „Zwei Menschen sind einfach zu wenig.“ About a Boy von Nick Hornby.
Eine “Dorfgemeinschaft“ oder viele kleine Inseln, die eine Inselgruppe bilden, geben viel mehr Sicherheit und die Aufgaben sind geteilt, viel leichter zu tragen.

Wird es nicht Zeit, dass wir den Begriff “Familie“ erweitern?
Vater, Mutter, Kind ist nicht das einzige Modell einer Familie. Was ist mit Großeltern, die ihre Enkel großziehen? Was ist mit Alleinerziehenden? Was ist mit der Tochter, die sich um ihre Eltern kümmert? Was ist mit den Menschen, die mit Freunden zusammenleben?

Nur Vater, Mutter, Kind mit Ehering stehen unter einem besonderen Schutz?
Das ist nicht fair. Denn es gibt mehr als nur diese Form eines Zusammenschlusses von Menschen, die sich unterstützen.

Ich bin nicht verheiratet und habe keine Kinder. Meine Eltern sind schon etwas älter (nächstes Jahr 80 Jahre jung). Es geht ihnen so weit ganz gut, allerdings hat die Kraft etwas nachgelassen und manche Dinge fallen ihnen schwer. Mein Freund erledigt die Einkäufe, ich koche für sie mit. Nachdem meine Mutter letztes Jahr operiert wurde, war sie bei uns und wir haben uns um sie gekümmert. Ist das keine Familie?
Ist mein Freund weniger Familie, trotz all der Dinge, die er tut, als wenn er mein Ehemann wäre?

Vor drei Jahren lagen mein Freund und ich mit einer Grippe flach. Fieber, Schüttelfrost, Schleim, das volle Programm. Meine beste Freundin (die für mich Familie ist) war für uns einkaufen und hat uns noch lecker Süppchen gekocht.
Über uns, die wir nicht der herkömmlichen Familie entsprechen, verliert keiner einen Gedanken oder ein Wort. Wo ist unsere faire Behandlung, unsere Steuererleichterungen?

Wie wäre denn ein Steuersystem, welches nicht danach geht, was man am Finger trägt, sondern nach dem, was man tut?
Ob alleinerziehend oder verheiratet, wenn man die Ausgaben für Kinder absetzen könnte, würden beide Parteien fair behandelt. Vereine, Schulsachen, Nachhilfe, Babysitter …

Warum soll ein Begriff, ein Stück Papier mehr zählen als Taten? Nur weil zwei Menschen verheiratet sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sie sich um den anderen kümmern. Warum also wird nicht das Für-Einander-Dasein unter besonderen Schutz gestellt, denn darum geht es doch eigentlich.


Ich wünsche Euch einen inselgruppigen Tag.


Angela Gäde

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