Samstag, 1. März 2014

Von chilligen und aufgedrehten Typen


Unser Kater hatte seine Spiel-Stunde und rannte wie wild durch die Wohnung. Ich hinter ihm her, ein bisschen Fangen spielen. Doch als wir in die Küche kamen, war das Spielen vergesse. Er sprang auf die Fensterbank und starrte ganz still die Taube an, die draußen auf dem Sims saß.


Katze, Cat, Katze die aus dem Fenster guckt


Wer mit einer Katze zusammenwohnt, kennt das sicher, sie haben die Aufmerksamkeitsspanne eines Gummibandes. Erst sind sie ganz auf die Spielmaus fixiert und im nächsten Augenblick werden sie von einem Geräusch abgelenkt.
Katzen sind Jäger, ihre Aufmerksamkeit muss so funktionieren.
Wenn sie spielend durch die Gegend tollen und plötzlich ein Mäuschen im Gras rascheln hören, dann muss sich ihre Aufmerksamkeit genau dahin richten, wer weiß, wann die nächste Futterquelle vorbeischaut.

Während ich unseren Kater so beobachtete und mir die Gedanken der Notwendigkeit seines Verhaltens durch den Kopf gingen, kam mir plötzlich ein anderer Gedanke.
Was, wenn es bei Menschen ähnlich ist?
Menschen die an einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden, haben Schwierigkeiten sich für einen längeren Zeitraum auf etwas zu konzentrieren. Sie werden ständig von den Dingen, die um sie herum geschehen, abgelenkt. In der Schule oder auf der Arbeit eine schwierige Situation.
Da es diese Schwierigkeiten mit sich bringt, ist es eine neurologische Störung. Botenstoffe, Synapsen, Hormone, es gibt meistens physische Gründe, die ein Ungleichgewicht aufzeigen. Auch wenn ich kein Experte bin und keine Experimente durchgeführt habe, sei mir erlaubt einige Gedanken durchzuspielen.

Was wenn diese Menschen ein Erbe in sich tragen, dass sie einst benötigten, um zu überleben. Ob sie nun Jäger waren oder großen Gefahren ausgesetzt, in beiden Fällen, wäre das "schnell Abgelenkt-Sein" überlebensnotwendig gewesen. Jedes Geräusch, jede Bewegung hätte auf ein wildes Tier, einen Feind oder ein leckeres Essen hindeuten können.

Jetzt kann man natürlich sagen, man kann Katzen nicht mit Menschen vergleich, zudem müssten alle Menschen so eine sprunghafte Aufmerksamkeit haben, da es sich um eine Art, eine Gattung handelt.
Nun, können kann ich schon, aber ich tue es mal nicht. Stattdessen können wir uns die Affen anschauen.

Der Orang-Utan ist ein sehr chilliger Geselle. Er macht alles in Ruhe und mit sehr viel Bedacht, wohingegen die Paviane extrem aufgedreht sind. Schimpansen können chillen und auf Speed sein. Der Bonobo ist im Gegensatz zum Schimpansen viel ausgeglichener. Je nach Ort, je nach Umgebung, haben sich die Affen den Anforderungen angepasst, sie ausgebildet und sind so fähig gut zu überleben.

Das gilt auch für den Menschen. Er hat sich seinem Lebensraum angepasst, um zu überleben, um gut zu leben.

Sind gewisse "Störungen" also "Störungen" oder sind nur Bereiche aktiv, die einst wichtig waren? Sind es "Störungen", weil sie die heutige Umgebung stören?

Mit kleinen Unterbrechungen dauerte mein Schultag meistens 7 Stunden, in denen man ruhig sitzen und aufmerksam zuhören sollte. Das waren die Vorgaben der Umgebung, alles Zappelige oder Unaufmerksame wurde als störend empfunden. Zur natürlichen Umgebung gibt es allerdings einen großen Unterschied, die Schule ist von Menschen gemacht. Arbeit, Gesellschaft, Kindergarten usw. ist alles menschen-gemacht. Es liegt bei uns Menschen, es zu ändern, wenn wir es wollen.



Ich wünsche Euch einen chilligen oder aufgedrehten Tag, je nach dem, was ihr gerade braucht.



Angela

    

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