Dienstag, 29. April 2014

7. Regeln für eine friedliche Diskussion


In dem Post Streiten wir uns wirklich so gerne? hatte ich darauf verwiesen, dass ich noch mal extra auf die Regeln für ein Gespräch nach einem Streit eingehen werde. Das tue ich hiermit.

Kurz zur Vorgeschichte. Man hat sich gestritten und nicht nur über die falsch ausgequetschte Zahnpastatube. Bei den hitzigen Worten sind Dinge zutage getreten, über die man reden muss. Dinge, die einen schon lange belasten, die sich auf Umwege in der Beziehung immer wieder zeigen.
Nicht ohne Grund hat man so lange damit gewartet, diese Dinge anzusprechen. Sie wühlen einen emotional auf, haben einen verletzt oder verwirren ganz schrecklich.
Ist die Katze einmal aus dem Sack, dann kann man auch frei von der Leber quatschen.
Kann man machen, sollte man aber vielleicht nicht unbedingt. Lässt man alles raus ohne gewisse Grenzen, dann mündet es schnell wieder in einem Streit. Schnell gerät man so in einen Teufelskreis aus Schweigen und Schreien.
Mich bedrückt etwas, was mich mürrisch macht. Das, was mich bedrückt will ausgesprochen werden. Mein Mürrischsein steigert sich, bis es zum Streit führt. Ich schreie, werfe mit der Bedrückung um mich. Darauf folgt Schweigen. Ich möchte es klären, rede drauflos, die Emotionen steigern sich wieder und zack, der nächste Streit.

Wenn ihr mit jemand etwas Wichtiges zu Besprechen habt, legt zuvor Regeln fest.
Lösungen und Verständnis finden sich leichter, wenn man emotional nicht so aufgedreht ist.

1. Regel: Erst abregen, dann reden.
Aus einem Streit wird nie ein vernünftiges Gespräch erwachsen. Zu viel Adrenalin im Körper, zu viele Emotionen.
Beide Parteien müssen erst einmal runterkommen, sich beruhigen. Geh spazieren, joggen, koche etwas, schlag auf einen Sandsack ein. Was auch immer dir hilft, wieder ruhig zu werden, mach es. Geh immer mit einem klaren Kopf in ein Gespräch.

2. Regel: Betone, dass es dir drauf ankommt, zu verstehen und eine Lösung zu finden.
Es soll kein “Streit Part. II“ werden. Die Sache soll eine Klärung finden. Erkläre deine Intentionen das Gespräch betreffend. Was willst du damit erreichen?
Noch bevor man sich der eigentlichen Sache nähert, sollte klargestellt sein, dass es um eine Aussprache geht und um das Finden einer Lösung. Das hilft zum eigentlich Grund des Gesprächs zurückzukehren, sollte es doch etwas hitziger werden.

3. Regel: Lasst einander aussprechen.
Der eine redet, der andere hört zu. Versuche dich nicht an Kleinigkeiten festzubeißen, sondern höre wirklich hin, was der andere sagt. (Ich neige z. B. dazu bei solchen Gesprächen “immer oder nie“ zu verwenden, obwohl ich es so nicht meine. Es macht einiges leichter, wenn der andere diese beiden Worte einfach überhört, anstatt sich nur darauf zu konzentrieren.)
Ausreden lassen und genau hinhören.

4. Regel: Vermeide Vorwürfe.
„Du hast … Deine Schuld … Du …“, wird dich nicht weiterbringen. Wenn du den anderen nur zur Schnecke machen willst, schreie zuvor lieber im Keller die Wand an.
Fühlt sich der andere angegriffen, wird er versuchen, sich zu verteidigen und dann bleibt wenig Platz für ein vernünftiges Gespräch.

5. Regel: Geh von dir aus. Du weißt nicht, was wirklich in dem anderen vorgegangen ist.
Was bedrückt dich? Wie hast du eine bestimmte Situation oder ein bestimmtes Verhalten aufgefasst? Was denkst du?
Teile deinem Gegenüber mit, wie es dir geht, und vermeide zu spekulieren, warum er das oder jenes getan hat. Lass ihn selber erklären, warum er etwas gesagt oder getan hat.

6. Regel: Lege Pausen ein.
Wenn die Stimmen lauter werden oder die Emotionen wieder hochkochen sollten, dann unterbrich das Gespräch. Geh einen Tee kochen oder die Nase pudern. Erst, wenn sich die Situation wieder beruhigt hat, macht es Sinn, weiterzureden.

7. Regel: Denk immer daran, dass ihr eine Lösung sucht.
Eine Lösung kann unterschiedlich ausfallen. Man kann feststellen, es war alles nur ein Missverständnis. Man muss einsehen, dass man sich falsch verhalten hat. Man entdeckt, welche Probleme oder Sorgen man wirklich mit sich rumschleppt. Man findet einen Kompromiss. Manchmal muss man sich auch darauf einigen, dass man sich in dem Punkt nicht einig ist.
Welcher Natur auch immer die Lösung ist, die ihr findet, sie lässt sich leichter erschließen, wenn man zuhört und sich öffnet.
Was möchtest du? Wie hätte der andere reagieren sollen oder was hätte er nicht sagen dürfen?
Stell diese Fragen auch deinem Gegenüber. Was hätte er sich gewünscht, wie deine Reaktion hätte aussehen sollen?
Eine Lösung lässt sich dann leichter finden, wenn man weiß, was man selbst will und was der andere braucht.


Ich wünsche Euch einen Gesprächsregel-nicht-brauchenden Tag.


Angela


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen