Dienstag, 15. April 2014

Streiten wir uns wirklich so gerne?



Können wir Menschen nicht ohne Streit?

Ich spreche nicht nur von dem großen Mega-Streit, ich meine auch diese kleinen, täglichen Streitereien. Geht es nicht ohne?


Kennt ihr das; Man fängt ein Gespräch an, alles läuft recht gut und plötzlich hat man sich in der Wolle?!
Eigentlich weiß man gar nicht genau, wie es dazu gekommen ist. Man hat etwas gesagt, der andere hat gekontert und schon war man mitten in einer Diskussion, die dann zu einem Streit ausartete. Soweit kann man es nachvollziehen, aber offenbleibt die Frage, wieso ist es plötzlich so gekippt?


„Schatz, welche Schuhe soll ich zu dem Kleid anziehen? Die schwarzen oder roten Schuhe?“
„Die Schwarzen!“
„Findest du die Roten nicht schön?“
„Doch, aber die Schwarzen passen besser.“
„Aber die Roten passen besser zum Abend.“
„Dann nimm die Roten.“
„Du hast doch gesagt, die Schwarzen passen besser!“
„Dann nimm die Schwarzen!“
„Sagst du das nur, damit ich irgendwelche nehme?“



Es beginnt mit einer harmlosen Frage und endet mit Vorwürfen über die Unzulänglichkeiten des Partners. Wieso?


Liegt es daran, dass wir insgeheim auf eine Gelegenheit warten, dem Anderen unseren Frust über ihn an den Kopf zu werfen?
Da wir sonst vermeiden, ehrlich über unsere Gefühle zu sprechen, nutzt unser Unterbewusstsein die Gelegenheit, um sich Luft zu machen.
Vielleicht sind wir aber auch mit uns selbst unzufrieden und brauchen einfach ein Ventil. Also übertragen wir unseren Frust auf unseren Gegenüber, den wir dann stellvertretend für uns selbst anmeckern.


Oder macht uns streiten einfach Spaß?


Ich hoffe wirklich, es ist unsere Psyche, die uns zum Streiten verführt und nicht einfach die Lust an zu hohen Blutdruck und gereizten Stimmbändern.
Höre ich da gerade „Versöhnungssex“?
Wie viele von euch hatten schon mal Versöhnungssex?
Ich persönlich glaube, das ist eine Erfindung der Filmindustrie, um mehr Sexszenen in einen Film einzubauen. Meistens endet ein Streit unter “Liebenden“ doch eher damit, dass man sich darauf einigt, es sei wieder gut, aber eigentlich ist einer von beiden immer noch grummelig. Das Grummeligsein verfliegt so nach ein bis zwei Tagen.
Sex in der Grummelphase ist sicher richtig gut …


Gehen wir allerdings davon aus, es würde Versöhnungssex geben, dann erklärt das den Spaß am Streiten unter Paaren, aber was ist mit Streit in der Familie oder unter Freunden?


Warum können die Menschen nicht ohne Streit?
Ist es wirklich so wichtig seinen Kopf durchzusetzen, anstatt einen Kompromiss zu schließen oder auf den anderen einzugehen?


Es soll Menschen geben, die sich nie streiten. Sind diese Menschen ein Mythos oder gibt es sie wirklich? Wenn es sie gibt, wie machen sie das? Wie finden sie zu einer so ausgeprägten Ruhe, dass sie sich nicht von hitzigen Worten verführen lassen?


Ich gehöre nicht zu den Menschen, deswegen habe ich keine Antwort auf diese Frage. Aber ich weiß, wie man einen Streit erkennen kann und die Notbremse zieht.


Erstes Indiz, der Herzschlag erhöht sich.
Zweites Indiz, es wird im Raum lauter.
Drittes Indiz, die Körpertemperatur steigt.


An diesem Punkt wird es Zeit für ein klares HALT.
Sagt es zu euch selbst.
Fragt euch, was gerade geschieht und ob ihr das wirklich wollt.
Ihr wollt es nicht, dann teilt es dem anderen mit.

„Ich will mich nicht streiten. Lass uns ruhig darüber sprechen.“

Sollte der andere nicht so einsichtig sein: „Glaubst du, ich will mich streiten?!“, dann macht euch bewusst, er ist voller Adrenalin und kann gerade nicht anders reagieren.

„Du willst dich nicht streiten, ich will mich nicht streiten, dann lass uns erstmal Luft schnappen und später weiter reden.“

Damit nimmt man dem anderen ein bisschen den Wind aus den Segeln und zeigt eine Möglichkeit auf, die Situation erstmal zu verlassen.


Ein Streit hat seine eigene Dynamik, seine eigene Energie, die es nicht zulässt, dass wir auf einen Nenner kommen. Es ist immer sinnvoll einen Streit beizulegen, indem man die Situation verlässt. Beide müssen erst wieder zur Ruhe kommen, durchatmen.
Unser Körper zeigt alle Anzeichen der Verteidigung, wenn wir streiten. Erhöhter Puls, Muskeln spannen sich an, man setzt sich gerader hin oder macht sich sogar größer (Schultern zurück, Kopf hoch …). Adrenalin jagt durch unseren Körper und macht uns kampfbereit. Ob verbal oder mit unseren Fäusten, wir kämpfen in solchen Situationen. Wir kämpfen um unsere Meinung, unser Recht oder für uns. Bis wir das Adrenalin nicht wieder auf ein normales Level runtergefahren haben, werden wir für einen Kompromiss oder Verständnis nicht offen sein. Deswegen gehen wir und atmen durch, treten eine Mülltonne oder backen einen Kuchen. Tut, was euch auch immer hilft, solange es euch und anderen nicht schadet.


Haben sich die Gemühter wieder beruhigt, sollte man erst für sich selbst überlegen, was schief gelaufen ist. Hat man selbst einen Fehler gemacht, ist das eine gute Möglichkeit das Gespräch wieder aufzunehmen. Ohne Überlegung erneut mit dem Streit-Partner zu reden, bringt in den meisten Fällen nur ein Aufflammen des Streits, denn man fängt da wieder an, wo man zuvor aufgehört hat.


„Ich bin laut geworden, das wollte ich nicht.“


Vermeidet ABER-Sätze an dieser Stelle. „Ich bin laut geworden, das wollte ich nicht, aber du …“
Ich weiß, man will sich nur erklären, der Gegenüber wird es allerdings als Angriff werten und schon schüttet er wieder Adrenalin aus.
Ich weiß auch, wie verführerisch das ABER ist. Man möchte sich erklären, vielleicht sogar verteidigen, aber fallt nicht drauf rein. So bricht nur wieder ein Streit vom Zaun.

Ist es eine Nichtigkeit gewesen, wegen der man sich gezofft hat, dann kann man es ablegen.

„Lass es uns vergessen. Es war unnötig, dass wir uns wegen so etwas gestritten haben.“


Ging es um etwas Wichtiges bei dem Streit, dann legt Regeln fest, wie ihr vernünftig über das Thema reden könnt. Aber dazu ein anderes Mal mehr.


Verliert nie aus den Augen, dass ihr es in der Hand habt, ob ihr euch streitet oder nicht, auch wenn es sich oft nicht so anfühlt. Mit euren Handlungen bestimmt ihr die Entstehung und den Verlauf eines Streits.
Also, Situation verlassen, abkühlen, überlegen und dann noch einmal vernünftig miteinander reden. Vielleicht klappt es dann auch mit dem Versöhnungssex.




Ich wünsche Euch eine friedliche Woche mit schönen, bunten Eiern.




Angela


 

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