Samstag, 10. Mai 2014

Kleider machen Leute oder Oberflächlichkeit, die immer wirkt.


Mein Freund hatte einen geschäftlichen Termin und war deswegen besonders adrett gekleidet. Er läuft nie schlurrig rum, ich mag ja auch ganz gerne Jeanshosen mit Löchern (zu viel Werbung in den 80er Jahren geschaut), doch die kommen für ihn gar nicht an die Beine.
Fassen wir zusammen; er ist immer ordentlich, an jenem Tag besonders adrett gekleidet.

Als er sich in einer Bäckerei einen Kaffee und etwas zu Essen kaufte (er war schon ein paar Mal in dieser Bäckerei) musste er feststellen, dass die Verkäuferin ganz anders auf ihn reagierte. Sehr zuvorkommend, überfreundlich und mehrmals nachfragend, ob er sonst noch etwas wolle.

Zufall?

Möglich. Da sich dieses Phänomen allerdings auch an einigen anderen Stellen ereignete, kann man davon ausgehen, dass es etwas mit seiner Kleidung zu tun hatte. Freundlich und aufmerksam ist er nämlich immer, der einzige Faktor, der sich geändert hatte, war seine Kleidung.

Können wir gar nicht anders als jemanden im Anzug oder teuren Sachen für wichtig zu halten und ändert sich deswegen automatisch unser Verhalten?
Oder ist es unser Auftreten, was die Veränderung hervorruft?
Ich bin nicht nur eine Gefühls- oder Stimmungsleserin, ich bin auch ein Gefühls-Klamotten-Aussucher.
Sind meine Sachen weit und übergroß, dann bin ich nicht so gut drauf, dann möchte ich mich verstecken, brauche etwas Kuscheliges. Dementsprechend ist auch mein Verhalten. Ich bin introvertierter, ruhiger, zurückgenommener.

Wirkt die richtige Kleidung auf unser Gemüt stärkend und werden wir deswegen anders behandelt?
Es ist ein Zusammenspiel aus beiden Dingen. Verändertes Auftreten und die Ausstrahlung der Kleidung.

Eins meiner Lieblingssprichwörter kommt aus der Mongolei.

“Man begegnet sich mit der Kleidung und verabschiedet sich mit der Seele.“ Mongolisches Sprichwort.

Kleidung kann uns beim ersten Eindruck helfen, manchmal gibt sie uns sogar mehr Selbstvertrauen, doch dahinter sind wir einfach nur wir. Unser Selbst ist das, was zählt. Wenn man ein Arsch ist, ist man eben ein Arsch im Anzug oder in Jeans.

Ich finde, Kleidung sollte Spaß machen. Ich probiere mich gerne aus, liebe es bunt und schräg, bequem und elegant. Je nach Stimmung.
Witzigerweise müsste man denken, durch meine "lustigen" Angstanfälle, die mich manchmal zwicken, würde ich eher zu unauffälliger Kleidung tendieren. Wer die Angst kennt, weiß, was ich meine, für die anderen möchte ich es versuchen zu erklären.
Ein Problem an Panikattacken oder Angstanfällen ist, das sie einem unangenehm sind. Muss man z. B. zu einem wichtigen Termin oder auch nur Einkaufen, kommen oft vorher die Was-wenn-Gedanken. Was, wenn ich im Laden, auf der Bank, im Büro einen Angstanfall bekomme? Was werden die Leute denken? Werden sie mich für verrückt halten?
Diese und weitere Gedanken dieser Art führen dann meistens auch zur Panikattacke.
Vorweg, wer sich mit der Angst nicht auskennt, der sieht bei seinem Gegenüber die Angst auch nicht. Ich hatte schon so viele Angstanfälle, auf Partys, Feiern, in der Schule, auf der Arbeit und die anderen haben es nicht gemerkt. Während einer Panikattacke ist man so aufgedreht, dass man das Gefühl hat, jeder müsste es sehen, doch die äußeren Veränderungen sind minimal, deswegen fallen sie den Wenigsten auf.


Jetzt könnte man denken, dass man sich besonders angepasst kleidet, wenn man davor Angst hat, bei einer Panikattacke angestarrt zu werden. Bei mir ist das nicht so, ich habe festgestellt, ich fühle mich am wohlsten, wenn ich mich “ausgefallen“ kleide. Für den einen ist es ausgefallen, für den anderen langweilig, es kommt immer auf das Auge des Betrachters an.
Auf den ersten Blick scheint das merkwürdig zu sein, aber eigentlich ist es ganz logisch. Wer auf meine Kleidung achtet, dem entgeht, wenn ich eine Panikattacke habe. Wer mich für merkwürdig wegen meiner Kleidung hält, der braucht mich nicht mehr für merkwürdig halten wegen meiner Angst.
Die Angst macht einem ziemlich viel madig oder erschwert zumindest einige Dinge, deswegen ist es für mich wichtig, mich so zu kleiden oder zu schminken, wie ich es gerade will. Irgendwo muss man ja anfangen, seine Selbstbestimmung wieder zurückzugewinnen.



H&M Blazer, Smokingjacke, Angela Gäde


Ich wünsche euch einen fröhlich gekleideten Tag.

Angela.

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