Dienstag, 12. August 2014

12 Monate, 12 Bücher: Mein Buch des Monat August; Das Erbe des Vampirs von Tom Holland

Mein Beitrag zur Buchblogparade von Eva Maria Nielsen für den Monat August ist Das Erbe des Vampirs von Tom Holland. Warum ausgerechnet Buch des Monats August, weil Grusel/Horrorbücher immer gehen und es mir beim Einräumen wieder in die Finger fiel.

Ich habe den ersten Teil Der Vampir, vor Jahren gelesen (vielleicht sogar vor einem Jahrzehnt). Damals hat mir der erste Teil nicht beonders gefallen. Streckenweise zu langatmig und irgendwie ... Es gefiel mir nicht sonderlich, deswegen hatte ich den zweiten Teil ungelesen im Regal stehen lassen.
Nun sind wir umgezogen und ich habe meine Regal neu geordent und eingeräumt und da nahm ich Das Erbe des Vampirs in die Hand und dachte mir, ich probier es noch einmal.




Das Erbe des Vampirs von Tom Holland, Buchempfehlung, Fantasy




Titel: Das Erbe des Vampirs
Autor: Tom Holland
Verlag: Econ
ISBN: 3-612-27201-2
Preis: Ursprungspreis 18,90 DM, da es das Buch nicht mehr im Handel gibt, variiert der Preis.


Zitat: Wilde war von der Wendung des Gesprächs sichtlich fasziniert. "Unsterblichkeit?" fragte er. "Sie meinen ewige Jugend? Was für ein reizvoller Gedanke. Dem Vergänglichen Dauer verleihen. Ich kann mir nichts Herrlicheres vorstellen." Er hielt inne. "Aber Sie stimmen mir nicht zu, Dr. Eliot?"
Eliot sah ihn scharf an. "Vielleicht", erwiderte er, "würde es die Schönheit zu dem machen, was Sie von ihr behaupten - zu einer ernsten Sache."
"Aber keiner erfreulichen?" drängte Lord Ruthven mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Zum erstenmal begegnete Eliot seinem Blick. "Das, Mylord", sagte er schließlich, "Würde von dem Preis abhängen, den man dafür bezahlen muß."
"Preis!" rief Wilde aus. "Wirklich, Dr. Eliot, es ist höchst unfein, wie ein Börsenmakler zu reden, wo Sie doch gar keiner sind."
"Nein." Lord Ruthven schüttelte den Kopf. "In diesem Punkt zumindest hat er völlig recht. Ist es denn nicht die Definition eines Vergnügens, daß es eine Gebühr fordert? Champagner, Zigaretten, das Versprechen einer Geliebten - alles überaus erfreulich, aber das Vergnügen, das sie bieten, ist flüchtig im Vergleich zu den Leiden, die wir ihretwegen erdulden müssen. Stellen Sie sich vor - stellen Sie sich bloß einmal vor! - welcher Preis auf ewige Jugend erhoben würde." S. 325 - 326


Gut, dass ich es doch gelesen habe, denn das Buch ist hervorragend. Ich habe es verschlungen, auch wenn die ersten knapp 100 Seiten ziemlich starker Tobak sind. Wer auf viel Blut und Eingeweide nicht gut klarkommt, für den ist dieses Buch nichts. Es ist stellenweise schon sehr blutig und brutal. Ganz so viel Zerstückeln und Aufschneiden hätte es für mich auch nicht sein müssen, aber nach dem ganzen "Weichspüler-Grusel-Gesichten" war das eine wunderbare Abwechslung. Endlich wieder Vampire, die verführen, Blut trinken und nicht in der Sonne glitzern.

Das Erbe des Vampirs ist allerdings mehr als nur ein Vampirroman, es ist ... Wem das Buch nicht gefällt, der könnte sagen, es ist eine Anhäufung von Plagiaten. Mir gefällt es und deswegen finde ich genial, was Tom Holland mit dem Buch geschaffen hat. Uns begegnen nämlich nicht einfach nur Vampire, sondern Götter, Dämonen, Menschen der Literaturgeschichte und fiktve Personen.
Der Protagonist Jack Eliot ähnelt von seinem Charakter und seinen geistigen Fähigkeiten sehr Sherlock Holmes. Allerdings ist er von Beruf Arzt, was ihn nicht daran hindert, einen Dedektivfall zu übernehmen.

Die Frau eines Freundes schreibt Jack an und bittet ihn um Hilfe, da ihr Mann seit Tagen verschwunden ist. Sie befürchte das Schlimmste, denn ihr wurde eine anonyme Botschaft zugestellt, dass ihr Mann ermordet worden sei. Jack begibt sich zusammen mit Bram Stoker, der ein bisschen die Rolle von Watson übernimmt, auf eine gefährliche Suche quer durch London. Gefährlich wird die Suche vor allem, da sich Jack keinem menschlichen Gegner gegenüber sieht, sondern einer Göttin und ihrer blutdurstigen Anhängerschaft.
Das ist im Grunde die Hauptstory, auch wenn der erste Teil des Buchs in Indien spielt. Die Geschehnisse in Indien, bei denen Jack auch mit von der Partie ist, dienen als Einführung der Personen und geben uns kleine Puzzelteil an die Hand, die uns, richtig gedeutet, an den passenen Stellen der Lösung des Geheimnisses ein gutes Stück näher bringen.

Das Besondere des Buchs ist sein Aufbau, den man bereits von Bram Stokers Dracula kennt. Es besteht aus Briefen, Berichten und Tagebucheinträgen. Diese wurden gesammelt und bei einem Rechtsanwalt hinterlegt, so dass jeder, der ernsthaft Probleme mit Vampiren bekommen sollte, Zugriff auf das Material haben kann und hoffentlich so, sein und das Leben seiner Liebsten retten kann.
Religion trifft auf Geschichte und Literatur, dieses Buch ist ein Treffen vieler Personen und Sachverhalte, mit denen ich mich selber auseinandergesetzt habe, was sicher auch ein Punkt ist, warum ich dieses Buch so mag. Tom Holland webt mit geschichtlichen und religiösen Fakten eine unheimliche, logische und fantastische Geschichte. Dieser Mann ist belesen und hat Mühe und Arbeit in sein Buch gesteckt, das merkt man und gerade das machte es zu einem besonders guten Buch. Ich persönlich finde nämlich, dass das bei vielen Büchern in der letzten Zeit leider zu kurz kommt.

Was brauche ich Hintergrundwissen, wenn ich eine Fantasy-Geschichte schreibe?

Die Frage ist berechtigt und man braucht es sicher nicht. Ich persönlich mag die Vermischung von Fakten und Fiktion. Es ist die Art, wie auch ich meine Bücher schreibe. Ich recherchiere, lasse Andeutungen mit in meine Bücher einfließen, vermische Fakten mit Fiktion. Bei jedem Buch, das ich schreibe lerne ich noch eine Menge dazu und freue mich dieses Wissen an den Leser weiterzugeben.
Leider gibt es die Bücher von Tom Holland nicht mehr im regulären Buchhandel, aber bei Amazon, ebay und Co. bekommt man gebrauchte für kleines Geld. Ich selbst bin gerade auf der Suche nach dem dritten Teil.

Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Lesestoff-Suche.

Angela

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