Montag, 4. August 2014

Diese eingebildeten Städter

Ein Umzug in ein anderes Bundesland in einem Monat zu organisieren und abzuwickeln geht. Wird allerdings nicht empfohlen.
Wie heißt es so schön, auf dem heutigen Arbeitsmarkt muss man flexibel sein.
Mein Freund bekam am 02.06. die Zusagen für einen Job in Hadamar und am 01.07 war Arbeitsbeginn. Klar es hätte auch die Alternative des vorläufigen Pendelns gegeben, doch wäre das wirklich weniger stressig gewesen?
Vielleicht, dafür hätte sich der Stress über mehrere Monate gezogen. Wäre alles glatt gelaufen, dann hätten es weniger Nerven gekostet. Zum Glück hatten wir Unterstützung von Familie und Freunden.
Danke dafür, ihr seid eine große Hilfe gewesen.

Jetzt sind wir hier und es ist … fremd, ein bisschen skurril und anders. Die ersten Tage waren allerdings nicht leicht, nicht für unseren Kater, nicht für meinen Freund und für mich schon gar nicht. Wir haben zuvor in Dortmund gewohnt, direkt in der Stadt. Es war laut und wuselig, voll und betriebsam.
Hier ist es ländlich, ruhiger und ländlich. Nein ich habe mich nicht verschrieben, ich habe ländlich doppelt benutzt, da es so ist. Mit dem Wort ländlich habe ich mich auch direkt bei der Ankunft ins Fettnäpfchen begeben.
Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich am Umzugstag zum ersten Mal nach Hadamar gefahren bin und es hat mich etwas kalt erwischt. Ich wusste, es ist hier in der Gegend ländlich, doch wie sehr, war mir nicht bewusst. Es gibt Strecken (lange Strecken), die bestehen nur aus Feldern, vereinzelten Baumgruppen und einer Straße.
Ich stand unter Schock und so konnte ich gar nicht richtig reagieren, als die Vermieterin bei der Schlüsselübergabe fragte, wie ich die Wohnung finde. Ich sagte, sie sei schön, allerdings würde es mir schwerfallen, das so richtig wahrzunehmen, da alles sehr stressig war und ich noch ein wenig überrascht sein von den vielen neuen Eindrücken.
„Schön hier, allerdings sehr ländlich.“
„Finden Sie?“, fragte mich die Vermieterin in vorwurfsvollen Ton.
„Ja, schon“, antwortete ich zögernd.
„Hadamar ist eigentlich eine Stadt. Ich komme aus einem Dorf mit 200 Einwohnern, das ist ländlich“, erklärte sie mir.

Nachdem wir uns schon einige Mal verfahren haben und durch so manches Dörfchen gekommen sind, verstehe ich jetzt, was sie mir sagen wollte. Im Vergleich zu anderen Orten ist Hadamar eine Stadt.
Aber an dem Morgen stand ich unter Schock. Ich hatte kaum geschlafen, um 6:30 Uhr kam das Umzugsunternehmen, wir waren soeben 150 km mit einem völlig verängstigten Kater gefahren und so viel Land hatte ich schon ewig nicht gesehen. Da darf man doch auch mal neben sich stehen.

Schon sind wir bei der Überschrift des Artikels.
Liebe Menschen, die ihr auf dem Land lebt, seid gnädig mit uns, die wir aus der Stadt kommen. Wir sind nicht eingebildet oder arrogant (natürlich gibt es überall Menschen, die arrogant oder eingebildet sind) wir müssen uns nur erst eingewöhnen. Am zweiten Tag habe ich draußen nicht einmal meine Sonnenbrille abgesetzt. Nicht weil ich so cool bin, sondern weil ich meine verquollenen Augen verstecken wollte. Das Heimweh war so stark gewesen, dass ich erst einmal eine Packung Taschentücher platt machen musste. Weit weg von allem, was man kennt, von den Menschen, die man liebt, das ist nicht einfach. Es ist sogar recht schwierig, besonders, wenn es nicht geplant war.
Liebe Leute auf dem Land, seid nachsichtig mit uns, die wir neu dazu gezogen sind, wir müssen uns erst zurechtfinden. Sollte euch mal wieder ein sehr einsilbiger Städter begegnen, dann hat er vielleicht einfach nur Heimweh und versucht es, zu verbergen.


Ich wünsche Euch einen nachsichtigen Tag.


Angela

Ps. Wir haben noch kein Internet, kein richtiges, was bedeutet, ich muss mir meine GBs einteilen, deswegen bleiben die Post noch etwas unregelmäßig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen