Montag, 17. November 2014

Kleine Gruselgeschichte von Halloween

Halloween liegt bereits ein paar Tage hinter uns, aber für ein bisschen Grusel ist immer die richtige Zeit.

Es begab sich, dass wir am Freitag den 31.10.14, also an Halloween, einkaufen mussten. Wir hatten geplant den Samstags-Einkauf bereits am Freitag zu tätigen und so fuhren wir Richtung Limburg. Durch meine Angst und Panikattacken gestalltet sich das Einkaufen, besonders in sehr großen Geschäften immer noch als schwierig. Manchmal läuft es gut, manchmal nicht.

An besagtem letzten Tag im Monat Oktober lief es nicht so gut. Kurz vor Globus (dem angesteuerten Geschäft) kam die Panik hoch. Ich wusste, so würde das mit dem Einkauf nichts werden, ich musste mich erst wieder runter bringen, also bat ich meinen Freund,  dass wir noch ein bisschen rumfahren, etwas spazierengehen. Er fuhr weiter, bog an der Ampel links ab und bald befanden wir uns in Dietkirchen. Ein schönes, skurriles Örtchen mit vielen Dingen zum sehen, darunter zwei große Türme, die in der Mitte miteinander verbunden sind, scheinbar zu einer Kirche gehörend. Wir sahen es und fragten unisono, ob wir uns das genauer anschauen wollen. Wir wollten.


ehemalige Stiftskirche St. Lubentius

Urigerweise fanden wir die Kirche sofort, was wirklich verwunderlich ist, denn meistens findet man die Dinge hier nicht sooo leicht, zumindest den Weg dorthin nicht. Wir fanden es, stiegen aus und mein erster Gedanke war, hier haben die doch in Wirklichkeit der Name der Rose gedreht.

Ich streifte über den Friedhof, genoss mit einem guten Schuß Höhenangst und meinem Freund die Aussicht (die ehemalige Stiftskirche St. Lubentius befindet sich auf einem Felsen, der sehr steil nach unten geht), endteckte die Michaelskappel, mit einem Gebeinkeller im unteren Geschoss und betrat dann die Kirche.
Es roch nach kaltem Stein und leicht feuchtem Holz. Die Kirche lag im schummerigen Halbdunkel, nur aus der Kapelle, in der die Gebeine des Heiligen Lubentius aufbewahrt werden, drang Licht und durch die kleinen Fenster.
An der hinteren Wand hang ein Gemälde des Erzengel Michael, wie er gegen den Teufel kämpft und ihn in die Hölle stürzt. Heiligenfiguren säumten die Gänge, die zur Kanzel führten. Ich trat durch die Reihen der Bänke in den Mittelgang. Blickte nach oben, wo sich eine prunkvolle, barocke Orgel befand. Langsam drehte ich mich wieder in Richtung der Kanzel, meine Schritte waren bedächtig und ruhig. Nichts war zu vernehmen außer meinen Schritten, dem leisen Knarren und Ächtzen des Holzes. Aus dem Augenwinkel sah ich es plötzlich, noch bevor ich es erreicht hatte.
Ein
Epitaph, ein Grabdenkmal mit der Abbildung eines lebensgroßen Ritters.


Ein Epitaph, ein Grabdenkmal mit der Abbildung eines lebensgroßen Ritters, Weiland der Edele von Dhern

So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen, nicht mit so einer lebensechten Darstellung. Mein Herz schlug etwas schneller und ich fragte mich, wieso ich den Besuch dieser Kirche, als beruhigender für meine Angst eingestuft hatte, als einen hellen Laden mit vielen bunten und leckeren Dingen.
Ein leichter Grusel befiel mich, doch meine Neugier war größer, dieses Abbild zog mich an, ich trat näher und erkannte eine Inschrift. Langsam beugte ich mich vor und begann zu lesen. Eine Metallstange verdeckte manche Buchstaben, das Licht war nicht augenfreundlich und die Schreibweise alt, deswegen konnte ich nicht sofort jedes Wort deutlich erkennen.


Ein Epitaph von Philip Freiherr von Dhern


Doch die folgenden Worte las ich nicht ein zweites und drittes Mal, weil ich sie nicht entziffern konnte, sondern weil ich sie nicht glauben wollte.


Ein Epitaph, ein Grabdenkmal mit der Abbildung eines lebensgroßen Ritters, Inschrift



Ich richtete mich wieder auf, schritt langsam rückwärts und suchte dann meinen Freund. Ich musste doch auf Nummer sicher gehen, dass ich nicht einer optischen Täuschen anheimgefallen war. Aber nein, er sah und las es auch und hielt es auf dem Foto fest.

Was für ein Zufall, dass wir ausgerechnet am 31.10., an Halloween, eine Kirche entdecken mit einem Epitaph, eines Ritters der am letzten Tag des Oktober gestorben ist.



Ich wünsche Euch einen angenehmen herbstlich-winterlichen Grusel.


Angela

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