Donnerstag, 19. Februar 2015

3 weitere praktische Tipps bei Panikattacken

Im ersten Artikel zu diesem Thema habe ich die Dinge aufgezählt, die mir recht schnell helfen und für mich einfacher zu handhaben sind. Die nächsten Tipps fallen mir etwas schwerer und benötigen mehr Übung, vor allen Dingen regelmäßige Übungen.

1. Langsam laufen
Setzt die Angst ein, will man nur eins FLÜCHTEN. Raus aus der Situation, am besten ganz schnell nach Hause oder dorthin, wo auch immer man sich sicher fühlt.


Wenn die Angst hochkommt und ich flüchten will, zwinge ich mich dazu, extra langsam zu gehen.
Waren wir z.B. gerade einkaufen und die Angst kommt, dann bin ich normalerweise so schnell am Auto, dass meine bessere Hälfte nicht hinterher kommt.
Sobald ich merke, dass ich schnell gehe, verlangsame ich meinen Schritt und konzentriere mich aufs Atmen.

„Du musst nicht weglaufen, alles ist okay. Wenn du die Dinge in Ruhe machst, geht es schneller und es ist besser für dich.“

Verlangsame ich meinen Schritt, signalisiere ich damit meinem Körper, es gibt keinen Grund für eine Flucht und er kann wieder runterfahren.
Umso hektischer ich bin, umso nervöser mache ich mich.
Ihr kennt das doch in Horrorfilmen, jemand wird gejagt, erreicht seine Haustür, bekommt aber den Schlüssel nicht ins Schloss oder lässt ihn sogar fallen. Alles Quatsch? Nur die Erfindung der Autoren?
Schon mal versucht die Tür bei einer Panikattacke aufzuschließen? Glaubt mir, es ist kein Quatsch. Deswegen bringt Hektik nichts, alles dauert noch viel länger.

2. Nicht aufgeben!
Unangenehmes meidet man lieber, das ist auch vollkommen logisch, es ist ja schließlich unangenehm. Bei der Angst führt das allerdings schnell oder auch schleichend dazu, dass man irgendwann alles meidet.

Es gab eine Zeit, da bin ich nicht einkaufen gegangen. Schon am Eingang bekam ich Panik, eigentlich schon beim Vorhaben. Meine bessere Hälfte erledigte alle Einkäufe alleine, ich half nur beim Hochtragen.
Ich hatte einfach nicht die Kraft und den Mut es immer und immer wieder zu probieren. Ich saß in meiner Resignation fest, war wütend auf mich, auf die Angst und machte mir Vorwürfe. Das machte es natürlich nicht besser.

Ich kann mittlerweile wieder einkaufen, doch an manchen Tag ist es schwierig. Manchmal habe ich großen Spaß dabei und an anderen bekomme ich Angst. Besonders ein Laden macht mir Schwierigkeiten, dabei mag ich den echt gerne. Aber fast jedes Mal bekomme ich Angst, trotzdem versuche ich es immer und immer wieder. Manchmal klappt es, manchmal nicht, aber das spielt nicht die Hauptrolle. Wichtig ist, dass ich es versuche, selbst wenn es mehrere Male hintereinander nicht funktioniert hat.

3. Stell dich vor die Wahl
Ich glaube mein Freund hat mich darauf gebracht …
Wir standen vor Penny und ich zögerte. Es war der dritte Laden auf unserer Einkaufstour und bis dahin war es nicht so besonders toll gelaufen.

„Willst du nicht?“
„Ich weiß nicht. Eigentlich schon, aber irgendwie spüre ich die Angst.“
„Du kannst jetzt da rein gehen und es wenigstens versuchen, oder wir fahren nach Hause und du ärgerst dich, weil du es nicht einmal versuchst hast.“
Damit hatte er Recht. Ich ärgere mich, wenn ich es nicht einmal versucht habe. Ich ärger mich auch, wenn es nicht gut gelaufen ist, obwohl ich weiß, dass das kontraproduktiv ist. Aber wenn ich es nicht einmal versucht habe, wurmt mich das schon sehr.

Ich hatte jetzt also die Wahl.
Reingehen, Panik schieben und womöglich tot umfallen. Oder sich zu Hause ärgern, weil ich es nicht einmal versucht habe.
Rein, Panik und womöglich tot umfallen.
Ich war nicht super entspannt im Laden, aber ich bekam auch keine Panikattacke.

Natürlich hätte es auch anders laufen können. Doch es gibt immer beide Möglichkeiten. Du kannst eine Panikattacke bekommen, du kannst aber auch keine Panikattacke bekommen.

Wenn du es nicht versuchst, dann nimmst du dir auch die Chance, dass es gut laufen könnte.


Ich wünsche Euch einen gutlaufenden Tag.

Angela

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