Dienstag, 24. Februar 2015

Die Wahrheit über Verlage

Immer wieder stolpere ich darüber, dass Schriftsteller ohne Verlag belächelt werden. Also dachte ich mir, ich erzähle euch mal ein bisschen über die Tätigkeit eines Schriftstellers ohne Verlag und über die Vorgehensweisen von Verlagen.

Kleiner Einschub: Bezeichnung Autor
Wenn ich von Schriftstellern oder Autoren spreche, dann meine ich Menschen, die das Schreiben lieben, ernstnehmen und wirklich Arbeit investieren. Es gibt viele Bücher auf dem Markt, die … sagen wir, die nicht so besonders gut sind, weil sie ohne Mühe, aus falschen Gründen und ohne Liebe hin geklatscht wurden. Allerdings haben jene Bücher und jene „Autoren“ nichts zu tun mit den Menschen, von denen ich hier berichte.

Zumindest die Autoren, die ich etwas besser kenne, (so wie ich auch) recherchieren für ihre Bücher. Sie reden mit Experten, räumen Bibliotheken leer, beobachten und suchen das Internet nach brauchbaren Informationen ab. Sie schreiben, überarbeiten, stellen sich der Kritik ihrer Testleser und überarbeiten erneut.

Einschub: Testleser
Wo besteht der Unterschied zwischen einem Lektor und meiner Oma?
Verlage und Verlagsautoren raten davon ab, das Manuskript einem Verwandten oder Freund zum Lesen zu geben, da diese nicht objektiv sind (wenn Kritik gleich Objektivität ist, dann ist meine Familie die Objektivität in Menschengestalt).
Nun habe ich ein Interview mit einer bekannten deutschen Autorin gesehen und diese berichtete, dass ihre Lektorin auch eine ihrer besten Freundinnen ist.

???

Wenn meine Oma viel liest, warum sollte sie dann weniger Ahnung haben und parteiischer sein als diese Lektorin?

Jetzt fragt sich vielleicht der ein oder andere, wenn diese Autoren so viel Arbeit in ihre Bücher investieren, warum werden sie dann vom Verlag nicht mit Kusshand genommen?


Gute Frage!

Leider ist die Antwort ein wenig ernüchternd.
Verlage wollen und müssen Geld verdienen. Aus diesem Grund betreiben sie eine Politik der Sicherheit und des Kopierens.
Ein Verlag veröffentlicht nicht einfach ein Buch, weil es gut es. Verlage planen sehr genau ihr Verlagsprogramm. Das bedeutet, es wird festgelegt, wie viele Bücher und in welchen Genres z.B. 2015 auf den Markt kommen. Der größte Anteil dieser Bücher kommt aus dem Ausland. Die Verlage kaufen die Rechte an Büchern die in Amerika, England, Frankreich oder auf der ganzen Welt schon ein großer Erfolg waren und bringen sie dann auf Deutsch heraus.
Das Risiko eines Flops wird so minimiert und man kann sich noch den Erfolg als Werbestrategie zu Nutze machen.

Nr. 1 der New York Times.


Zweite Strategie ist das Kopieren.
In Amerika liefen Filme und Bücher mit Märchenelementen super. Die Brüder Grimm hatten Geburtstag, demnach setzte man mit Märchenadaptionen genau auf das richtige Pferd.
Nun sehen die Verlage aber nicht die Stapel von Manuskripten durch, die ihnen ambitionierte Schriftsteller geschickt haben, nein, sie fragen bereits etablierte Autoren, ob die nicht ein Buch über das Thema schreiben wollen.

Einschub: Manuskripte
Wann immer eine Autor oder jemand von einem Verlag nach Tipps für angehende Autoren gefragt wird, heißt es: „Sucht euch einen Agenten. Sendet keine unaufgeforderten Manuskripte an die Verlage, das mögen die nicht.
Wieso sollte ein Verlag ein Manuskript von einem Autor anfordern, den er gar nicht kennt?
Dieser Widerspruch gilt auch für Leseproben.

Aber wie wird man denn dann ein etablierter Autor?

Indem man einen Fuß in der Tür hat.
Wenn ihr Autor werden wollt und unbedingt bei einem Verlag unterkommen wollt, dann fangt bei einem Verlag an oder werdet Journalist oder Pädagoge. Viele deutsche Autoren waren selbst Verleger oder Lektoren oder hatten irgendeine andere Stelle beim Verlag oder der Zeitung. Aber auch Pädagogen werden gerne genommen, besonders bei Kinderbuchverlagen.

Als unbekannter Autor bei einem Verlag genommen zu werden, hat mehr mit Glück und der richtigen Windrichtung zu tun, als mit Können. Du kannst noch so gut sein, wenn deine Leseprobe direkt in den Papierkorb wandert, dann nützt dir dein Können gar nichts.

Weht der Wind jetzt allerdings aus der richtigen Richtung  und dein Buch wird verlegt, erwartet dich wahrscheinlich trotzdem eine kleine Enttäuschung. Werben darfst du für dein Buch selbst. Geld für Werbung wird nur für die Bücher und Autoren ausgegeben, bei denen es sich auch ganz sicher lohnt.
Gut läuft es für dich, wenn dein Buch nicht mit dem neuen Dan Brown oder Gier erscheint.

Rümpft also bitte nicht die Nase über kleine Verlag, Selfpublisher oder Indiautoren, die Qualität eines Buchs erkennt man nicht daran, ob es bei einem namhaften Verlag erschienen ist.


Ich wünsche Euch einen gut schreibigen Tag.

Angela

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen