Montag, 9. März 2015

Warum man seine eigenen Ratschläge ignoriert


Da erzähle ich immer, dass jeder Mensch eine Geschichte hat und man vielleicht erst daran denken sollte, bevor man sich ein Urteil erlaubt.

Ich meine das so, ich glaube daran.

Trotzdem hat mich das nicht davor geschützt, diesen guten Rat rigoros zu ignorieren.

Wie kam es dazu?

Michaela Conrads sagt in ihren Videos immer so schön “Ich bin nur aus Mensch“. Okay, meistens bezieht sich das auf Falten oder Schatten, doch man kann es auch auf Emotionen und Verhalten ausweiten.

Ich bin nur aus Mensch! Ich mache Fehler, ich habe Gefühle und bestimmte Charaktereigenschaften.

Es gab einen kleinen Streit/eine Diskussion mit einer Freundin. Ich hatte ihr von etwas berichtet, wartete nun gespannt, was sie dazu sagen würde, doch sie erzählte nur von etwas anderem. Das kränkte mich und anstatt ihr richtig zuzuhören, war ich nur erfüllt von meinen eigenen Emotionen.

Sie ist anders als ich, sie handelt anders, sie geht anders mit Dingen um. All das weiß ich und doch habe ich es ignoriert, weil mir meine eigenen Gefühle im Weg standen.

Als ich damit anfing Psychologie zu studieren, verstand ich nicht, warum man nie seine Freunde oder Familie therapieren sollte. Man steht sich zu nahe. Okay. Aber auf der anderen Seite muss es doch von Vorteil sein, wenn man den anderen so gut kennt.

Nette Überlegung, doch leider habe ich einen ganz wichtigen Faktor übersehen. Die eigenen Gefühle.
Stell dir vor, du bist Psychologe, dein Partner sitzt vor dir und er sagt: „Ich fühle mich oft schrecklich einsam. Ich habe das Gefühl, keiner versteht mich.“
Würden dich diese Worte nicht verletzen? Könntest du den Gedanken und die Frage zurückdrängen “Wieso glaubt er, nicht mit mir reden zu können?“?

Unsere eigenen Gefühle sind uns manchmal im Weg bei Menschen, die uns nahe sind. Es ist schwer sie objektiv zu betrachten, da nicht nur jeder für sich eine Geschichte hat. Wir haben eine gemeinsame Geschichte und in der gab es Verletzungen, Kränkungen, ungeklärte Emotionen.

Was also tun?

Therapiert nicht eure Freunde und Familie, sondern nur euch selbst.

Ich habe mich bei meiner Freundin entschuldigt und mich bedankt, dass sie sich mir geöffnet hat, auch wenn ich das nicht sofort verstanden habe. Mir ist bewusst geworden, wie ich reagiert habe und warum. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal einfach schneller erkenne, ob meine Konzentration nur auf meinen Gefühlen ruht oder ich ihr wirklich zuhöre.

Ergänzung: Jeder Mensch hat eine Geschichte und manchmal haben wir eine gemeinsame Geschichte.

Ich wünsche Euch einen geschichtlich-aufmerksamen Tag.


Angela

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