Dienstag, 7. April 2015

Sich Mühe geben

Ich habe gerade Und die Furcht gebiert den Zorn von Louise Penny gelesen. Es spielt in der Vorweihnachtszeit und eine Person macht sich auf den Weg nach Montreal um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ein besonderes Ziel bei diesem Ausflug ist ein Schaufenster, das zu Weihnachten immer wunderschön geschmückt wird.

Als ich das las, musste ich an meine Kindheit denken. Die Schaufenster von Karstadt verwandelten sich in einen Weihnachtstraum mit Bären, Hasen, Igeln, die Geschenke einpackten, Kekse backten, den Tannenbaum schmückten.
Wenn ich davor stand, spürte ich keine Kälte, kein Regen, die Menschen waren mir egal, nicht einmal den Lärm hörte ich noch. Meine arme Mutter, ihr ging es wohl eher weniger so.
Irgendwann gab es das nicht mehr. Als ich jetzt so darüber nachdachte, kam ich auf das Thema „sich Mühe geben“.

Eine Zeitlang habe ich z.B. Weihnachtskarten selbstgebastelt. Es hat mir Spaß gemacht und ich mag die Vorstellung, dass man Liebe mit verbastelt, verpackt oder verkocht.

Doch dann verlor ich den Spaß an solchen Dingen, weil ich die Erfahrung machte, dass es scheinbar keinen auffällt … eigentlich noch schlimmer …, dass es den meisten Menschen egal ist.

Jedes Mal, wenn ich mich ans Einpacken von Geschenken oder das Basteln von Karten machte, hörte ich diese Stimme, die da flüsterte: „Wofür die Mühe? Interessiert eh keinen!“

Dieser eine kleine, miese Gedanke nahm mir den Spaß an diesen Dingen, denn er reduzierte es auf Handlungen, die ich nur für andere tat. Er ließ mich vergessen, dass ich diese Dinge für mich tat, Freude daran hatte.

Es hat mich viel Arbeit, Spucke und Bemühungen gekostet, die Freude daran wiederzufinden. Die Stimme kommt immer noch hoch, manchmal zieht sie mich auch runter, doch oft kann ich ihr auch Einhalt gebieten.

Deswegen ist es wichtig auch mal Danke zu sagen, zu loben, seine Freude zu zeigen. Sonst bekommt man keine Marmelade mehr geschenkt, weil Tante Gertrude der Meinung ist, ihre Marmelade mag eh keiner. Dabei schmeckt sie sooo lecker.


Ich wünsche Euch einen freudig, anerkennenden Tag.

Angela

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