Freitag, 29. Mai 2015

Mobbing. Gemoppt werden, weil man liest?

Gestern habe ich ein YouTube Video gesehen, bei dem es darum ging, dass ein Junge in der Schule gemoppt wurde, weil er in den Pausen gelesen hat (mal grob zusammengefasst). Nun stellte sich die Frage für den Booktuber, seit wann das Lesen denn uncool geworden ist, was mich wieder überrascht hat.

Ich habe nämlich den Eindruck, dass das Lesen mittlerweile ziemlich cool und verbreitet ist. Als ich noch zur Schule ging (so ca. vor 250 Jahren), da waren Leseratte und Bücherwurm keine schmeichelnden Spitznamen. Nein, sie sollten einen beleidigen.

„Musst du deine Nase immer in Bücher stecken?!“
„Willst du nicht etwas Sinnvolles mache, anstatt nur zu lesen?!“
„Wie kannst du noch freiwillig was lesen, wenn wir in der Schule schon so viel lesen müssen?!“

Unverständnis!


Das war eher das, was mir entgegengebracht wurde. Mir hat das allerdings nichts ausgemacht, da … es andere Dinge gab, die mir etwas ausgemacht haben. Aber in dem Punkt waren die Sprüche auch nicht so wild und ich bereits in einem Alter, indem ich mich entschieden hatte, kein Opfer zu sein. Mit 12 oder 13, nach zwei echt miesen Schuljahren, in denen ich eigentlich ständig in Angst vor bestimmten Schülern verbracht hatte, sagte ich zu mir, ich will kein Opfer mehr sein, lieber werde ich zum Täter. Ich wehrte mich, mit Fäusten und Worten. Ich schlug mich mit Leuten, die … Sagen wir, ich wusste, dass es dumm ist und ich nicht den Hauch einer Chance hatte.

Ich denke, ich hatte zu viele Dirty Harry und Karate Kid Filme gesehen. Mein Vorgehen war nicht besonders klug und wenig vorbildhaft. Ich wusste mir nicht anders zu helfen. Damals gab es „Mobbing“ noch nicht. Also das Wort gab es nicht.

Erwachsene neigten dazu, solche Dinge zu sagen, wie: „Du bekommst doch auch Brot. Dann wehr dich!“
„Ignoriere es, dann hören die schon auf.“
„Jetzt hört auf zu streiten und vertragt euch wieder!“

Manchmal kann man glatt den Eindruck bekommen, dass Kinder und Jugendliche nicht so richtig ernst genommen werden. Trotzdem ist es wichtig sich bei solchen Dingen an einen oder besser an mehrere Erwachsene zu wenden. Auch Erwachsene lernen nie aus und das Thema Mobbing wird heute ernster genommen. Eigentlich müsste ich sagen, Mobbing wird überhaupt wahrgenommen.

Mobbing ist allerdings nicht nur ein Phänomen unter Jugendlichen. Wenn es in der Jugend so viel Spaß gemacht hat, dann kann man es als Erwachsener ja mal weiterführen.
Das würde mich jetzt wirklich interessieren. Die als Erwachsene mobben, sind das die, die es auch als Kinder getan haben, oder sind es die Mobbing-Opfer von damals?

Egal wie alt man ist, bei Mobbing oder anderen Arten von Belästigung, Angriffen und Psychoterror, holt Euch Hilfe. Redet darüber, behaltet es nicht für Euch.
Mobbing bezieht seine Stärke aus der Einsamkeit, in die die gemobbte Person gedrängt wird. Lasst Euch nicht in die Einsamkeit drängen.

Nicht zu schweigen, bedeutet sich zu wehren.
Diese Art des Widerstandes ist auf jeden Fall klüger, gesünder und reifer, als sich mit Fäusten oder Füßen zu wehren.

Lesen ist übrigens weder cool noch uncool. Lesen ist einfach lesen. Hobby, Ablenkung, Leidenschaft, Horizonterweiterung, Passion. Oder einfach; Lesen.


Ich wünsche Euch einen wundervollen, friedlichen Tag.


Angela

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