Freitag, 22. Mai 2015

Negative Rezensionen nützlich oder unnütz?


Die erste Rezi, die mein Buch Der alltägliche Wahnsinn der Frau auf Amazon bekommen hat, war ein Verriss.

Ich sah es und mein Herz setzte erst einmal kurz aus. Oh nein. Meine erste Rezension und die ist direkt so schlecht. Oh nein!
Nachdem mein Herz einen normalen, wenn auch etwas schnellen Takt wiedergefunden hatte, las ich mir den Verriss durch und … ich musste schmunzeln.

Diese Rezension hatte so gar nichts mit meinem Buch zu tun, was auch verständlich ist, da der Leser nach nur ein paar Seiten das Buch weggelegt hatte. Was nicht ganz so die feine, englisch Art darstellte, waren seine “Beschimpfungen“ meiner Person gegenüber. Der alltägliche Wahnsinn der Frau beschäftigt sich unteranderem mit dem Feminismus und dementsprechend wurde ich als Männer-Hasserin und frustriert betitelt. Die üblichen Sprüche, die fallen, wenn es um Feminismus geht.

Am selben Tag bekam ich noch eine zweite Rezension, die dann fünf Sterne hatte, was ich natürlich richtig super fand.

Irgendwie habe ich wohl nicht nur beim Schreiben den Hang zu entweder oder, nein auch beim Lesen. Viele der Bücher, die mir sehr gut gefallen, werden entweder gelobt oder verrissen. Als ich mich dann so durch die negativen Rezensionen wuselte, fiel mir auf, dass die meisten einfach nur … dumm waren. Mir fällt einfach kein anders Wort dafür ein. Aber wie sollte man es sonst bezeichnen, wenn einer J.K. Rowling “geraten“ wird, sie sollte lieber etwas anderes machen als zu schreiben? Oder sich jemand darüber aufregt, dass man die Wesen und Götter in Lycidas aus anderen Büchern bereits kennt.

Ich habe wenige gute und nützliche negative Rezensionen gefunden, in denen weder der Autor angegriffen, noch über das Thema gemeckert wird. Wenn ich mir einen Krimi kaufe und dann darüber meckere, dass es sich um einen Krimi handelt … verstehe ich es einfach nicht.
Ebenso lese ich einen Krimi, weil ich einen Krimi lesen möchte. Ich will einen Mord haben, der dann aufgeklärt wird. Sich in einer Rezension darüber auszulassen, dass der Krimi abgelaufen ist, wie hundert anderen Krimis vor ihm … macht mich sprachlos. Deswegen lese ich doch z.B. die Krimis von Ann Granger, weil ich weiß, auf was ich mich gefasst machen kann. Weil ich genau das gerade brauche.


Bücher, die von Selfpublisher herausgebracht werden, sind auch immer wieder Zielscheiben, von Menschen, die ihren Frust loswerden wollen. Besonders beliebt ist dabei der Verweis auf den Genetiv (oder Genitiv; 2. Fall; Wessen? Wessen Tasse? Die Tasse des Bruders) oder allgemeine Vorwürfe, das Buch sei nicht korrigiert worden.

Oft denke ich mir, es ist erstaunlich, wie viele Grammatik-Experten es doch gibt. Die Grammatik, Kommasetzung und Co. sollten eingehalten werden, damit der Text verständlich und lesbar ist. Fehler können allerdings passieren und zwar auch in Zeitungen und Verlags-Büchern.

Doch da gibt es noch einen kleinen Punkt. Ich bin Schriftstellerin und sehe mich somit als Künstlerin, ergo nehme ich mir auch künstlerische Freiheiten heraus. Ich liebe Neologismen (Wortneuschöpfungen). Will ich meinem Text oder meinen Personen gewisse Eigenheiten angedeihen lassen, pfeife ich auf den Genetiv oder den Dativ und orientiere mich an der Art, wie die Menschen im realen Leben reden.
Das Beispiel mit dem Genetiv im Ruhrgebiet: Was is en dat für ne Tasse? Hier von Karl.
Ebenso weigere ich mich Phantasie mit F zu schreiben.
In einigen Fällen darf ich mir sogar aussuchen, wie ich etwas schreibe. Wenn der Duden etwas empfiehlt, dann kann ich diese Empfehlung annehmen, muss es aber nicht.

Aber zurück zur Kernfrage. Wie hilfreich sind negative Rezensionen?
Es gibt Bücher, die sind nicht gut. Gerade bei sehr gehypten Büchern fallen die Bewertungen oft besser aus, als es das Buch eigentlich verdient, da finde ich negative Rezensionen recht hilfreich. Allerdings müssen sie auch vernünftig verfasst sein.
Was hat mir an dem Buch nicht gefallen und warum?
Keine Beschimpfungen des Autors.

Mir helfen negative Bewertungen weiter, wenn ich darin Punkte finde, die mir selbst wichtig sind. Charaktere sollten lebendig sein und dürfen ruhig mehr als eine Dimension haben.

Bücher sind Geschmackssache. Ich mag auch manche Geschichten nicht. Ich weiß, dass nicht jeder meine Bücher gut finden kann. Negative Bewertungen haben ihre Berechtigung, aber nur dann, wenn sie überlegt und vernünftig geschrieben sind und niemanden absichtlich Angreifen.


Ich wünsche Euch einen gut- rezensierten Tag.

Angela

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