Montag, 29. Juni 2015

Ein Interview mit Danise Juno, der Autorin von Herbstlilie. Limbergens vergessene Kinder

Danise Juno, Herbstlile



Herbstlilie. Limbergens vergessene Kinder

Das klingt doch schon einmal gut. Liest man sich die Inhaltsangabe (aber lest selber klick) durch, dann klingt der Titel nicht nur gut, sondern auch ziemlich spannend. Ich persönlich mag Sagen, Legenden und Mystisches ja sehr gerne, aber nicht nur deswegen freue ich mich, dass die Autorin Danise Juno einem Interview zugestimmt hat.
Es ist immer wieder spannend mit anderen Autoren über ihre Bücher, das Schreiben und so (so steht für die etwas schrägeren Fragen) zu sprechen. Aber nun genug des Einstiegs, kommen wir zum Interview.


1.) War das Seminar „Nervenkitzel – Schreiben Sie einen verdammt spannenden Roman“ der Bastei Lübbe Academy, unter der Leitung von Andreas Eschbach dein Einstieg in die Welt des Schreibens?

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass mich die Lübbe Academy zu dem Seminar zugelassen hätte, wäre dies mein Einstieg gewesen. Man musste sich seinerzeit mit einer Textprobe bewerben und die Geschichten, die ich in meiner Anfangszeit geschrieben habe, wären den Anforderungen sicher nicht gerecht geworden.
Mein Einstieg in die Welt des Schreibens fand schon sehr früh statt. Ich hatte in der 10. Klasse der Theodor-Heuss-Realschule Meckenheim eine wunderbare Deutschlehrerin. Sie sagte eines Tage zu mir: „Ich lese deine Aufsätze so gern. Ich habe immer das Gefühl, als sei ich dabei gewesen. Du solltest wirklich darüber nachdenken, ob du nicht Schriftstellerin werden möchtest.“ Das hat mich Zeit meines Lebens nicht mehr losgelassen und so schwelte der Gedanke viele Jahre lang in mir. Ich verfasste massenhaft Anfänge, erste Kapitel, die sich aber nie zu einer kompletten Geschichte auswachsen wollten. Frau Lange hatte den Grundstein gelegt, und es war nur eine Frage der Zeit, da die Saat aufgehen würde.

2.) Dein Roman Herbstlilie.Limbergens vergessene Kinder ist ein Thriller, in dem es auch um Legenden, Aberglaube und Mystik geht. Nun spielt die Geschichte in der Nähe von Dülmen, ist das demnach eine besonders mystische Gegend?

Mystisches findet man überall. Jeder Ort hat eine Geschichte und wenn man etwas tiefer gräbt, findet man auch den ein oder anderen dunklen Fleck darin. Der größte Gegner, dem wir uns gegenüber sehen, ist die Zeit, die sowohl dazu im Stande ist Sagen und Legenden hervor zu bringen, als auch den wahren Kern bis hin zur Unkenntlichkeit zu verschleiern. Man muss sehr tief graben, um vielleicht eine leise Ahnung von der wahrhaft ereigneten Wirklichkeit zu erhaschen.
Ich gebe allerdings zu, das Münsterland übt auf mich einen besonderen Reiz aus. Am Tage ist die Landschaft malerisch, der Blick schweift über satte Wiesen und Felder, wird dann eingefangen von alten windschiefen Höfen, die mitten in der freien Natur, weit ab der Ballungsgebiete liegen. Sie ruhen wie mysteriöse Geschöpfe hinter Böschungen oder an einem kleinen Waldrand und sind oftmals hunderte von Jahren alt. Welche  Dinge haben sie in all der Zeit gesehen, welche Geheimnisse bewahren sie über Jahrhunderte hinweg?  Wenn dann des Nachts der Mond zwischen Wolkenfetzen hervorlugt und einer der berühmten Sturmwinde über das Land pfeift, liegt ein gespenstisches Rauschen in der Luft. Es hat den Anschein, als würden Stimmen aus der Vergangenheit versuchen zu uns durchzudringen. Als wollten sie uns von der alten Zeit erzählen. Wir müssen nur genau hinhören.

3.) Gibt es im realen Leben eine Vorlage für die Legende und das Gut, die in deinem Roman vorkommen?

Siehst du das Schmunzeln auf meinen Lippen? (Ja.) Ich lebe in einem alten Resthof, leider nicht weit ab vom Schuss, aber auch hier gibt es viele Dinge zu entdecken. Aber ja, der Hof in der Bauernschaft Limbergen hat ein reales Vorbild. Auch die alte Kirche existiert und Hangenau ist dafür bekannt, dass dort einst die Herbstlilie verbreitet war. Eine Legende ist Fiktion, doch sie überlagert eine andere, die es nicht ist. Wer aufmerksam liest, vielleicht das ein oder andere googelt, der wird feststellen, dass hinter dem Roman so manch wahrer Kern verborgen liegt, so wie er auch Legenden eigen ist.

4.) Liest du auch selber gerne Mystery und Thriller?

Mystery ja, Thriller nicht ganz so gern. Mir fehlt oft das gewisse Geheimnis im gewöhnlichen Thriller.
Das ist auch der Grund, warum mein Roman so anders ist. Vordergründig ist er natürlich ein Thriller per Definition – es wird der Versuch unternommen eine Bedrohung zu eliminieren, sei sie Real oder mystischer Natur – das lasse ich jetzt mal so dahingestellt.
Aber das trifft es nicht ganz, denn im Grunde genommen wird obendrein ein Verbrechen aus der Vergangenheit aufgeklärt – per Definition also ein Krimi.
Und selbst das deckt meinen Roman nicht vollends, denn die Geheimnisse, die Julia aufdeckt, werden in historischen Kapiteln tatsächlich erlebt. Fertig ist der Genremix.
Interessant daran ist, dass auch Julia sich in so manchem Punkt irrt, da ihr der Gegner Zeit im Wege steht.

5.) Hast du viel für Herbstlilie recherchiert oder ist die Geschichte reine Phantasie?

Ich habe sehr viel recherchiert. Um es genau zu nehmen sogar mehr, als ich am Ende wirklich gebraucht hätte, um den Roman zu schreiben, aber ich denke, das hat nicht geschadet. Im Gegenteil. Es erfordert ein gewisses Gespür für die unterschiedlichen Epochen in denen die Geschichte spielt. Ich könnte schließlich niemanden im Jahre 1734 in einem See ertränken, der erst in den 1980-ger Jahren künstlich angelegt wurde. Genauso wenig könnte ich in Buldern einen Gottesdienst im Jahre 1690 in der großen Kirche auf der Weseler Straße veranstalten, wenn das Gebäude erst 1910 erbaut wurde. Die Umgebung, die Julia im Jahr 2010 erlebt, hat es in dieser Form vor Jahrhunderten nicht gegeben. Bäche trugen einen anderen Namen, es gab Waldstücke, die heute nicht mehr existieren und vieles mehr.
Obendrein muss man sich mit dem Brauchtum der Gegend vertraut machen, Kirchenbücher gelesen haben, um zu wissen, wie schwierig es sein kann die Schrift eines Pfarrers zu entziffern, der die Einträge in einem Gemisch aus Sütterlin und Latein verfasst hat und man muss wissen mit welchen Methoden ein Genealoge an die Geschichte der Vorfahren heran gehen kann.
Alles in allem eine verzwickte Situation, doch gäbe es keine „Geheimnisse der Geschichte“, wenn es so einfach wäre, sie zu lösen.  

6.) Welche Leserschaft wird deinen Roman besonders gern haben?

Ich denke, Frauen werden sich gern mit einer meiner Hauptpersonen Julia, Anna oder Katharina identifizieren, aber auch Menschen, die Interesse an Ahnenforschung und Geschichte haben, werden wohl auf ihre Kosten kommen. Diejenigen, die sich für Geheimnisse, Sagen und Legenden interessieren, für Hexenverfolgung oder Heimatkunde, mystisches oder historisches… Ehrlich gesagt, bin ich gespannt. Wenn mir am Ende jemand schreibt, er sei ein absoluter Technikfreak, liebe Sciencefiction und habe meinen Roman dennoch mit Spaß und Spannung  gelesen, dann habe ich alles richtig gemacht.

7.) Hast du bestimmte Schreibmacken? Kannst du nur schreiben, wenn du einen Hut trägst oder dicke Wollsocken? Muss beim Schreiben immer eine lila Kerze brennen? Oder schreibst du alles mit Bleistift vor?

Meine Kaffeetasse ist jedenfalls immer griffbereit. Ohne Kaffee läuft hier gar nichts. Und wenn ich einen Blick in meine superdoll geheime Schreibtischschublade werfe, die ich immer dann öffne, wenn ich angestrengt nachdenken muss, dann findet sich dort meistens eine Tüte bayrisches Blockmalz – ich liebe dieses Zeug – oder 70%-ige Bitterschokolade.
Ich hatte einmal einen alten, grauen Schlapphut, aber ich habe keine Ahnung, wo der abgeblieben ist. Schade eigentlich, das hätte ich gern mal ausprobiert.

8.) Schreibst du bereits an einem neuen Roman oder ist schon einer fertig?

Inzwischen liegt ein Thriller zur Prüfung im Verlag und steht für nächstes Jahr zur Veröffentlichung in der Diskussion. Darin geht es zwar nicht um historisches, aber es gibt Geheimnisse aus der persönlichen Vergangenheit der Hauptfiguren, die entdeckt werden wollen. Die Zeitenwechsel reichen also dieses Mal nicht ganz so weit zurück.
Unterdessen arbeite ich gerade an einem Roman, der dem Vorbild der Herbstlilie folgt. Er spielt im Rheinland, es wird darin wieder historische Wechsel geben und eine Prise mystisches.
Außerdem plane ich ein Wiedersehen mit Julia Meinert, die einer Geschichte aus der Vergangenheit auf die Spur kommt, die auf tatsächlichen Ereignissen beruht. Durch ihre Neugierde bringt sie sich und ihre Familie in Gefahr. Das überrascht mich allerdings nicht. Schon beim Schreiben von „Herbstlilie“ hat sich Julia Meinert als eine Person herausgestellt, die solcherlei Dinge geradezu herauszufordern scheint und ich habe das Gefühl, es bereitet ihr eine diebische Freude – so, wie mir!


Mein Neffe studiert Richtung Norden und irgendwie verspüre ich jetzt den Drang ihm ein Kruzifix zu schicken und ihm zu sagen, er soll nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr vor die Tür gehen.
Warum nur?

Wahrscheinlich, wegen dem spannenden Interview, das viele Erinnerungen an Nordkirchen (Kreis Coesfeld) in mir heraufbeschworen hat. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich bereits in meiner Jugend oft umgezogen bin?

Liebe Danise, ich danke dir für deine ausführlichen und spannenden Antworten und wünsche dir viel Erfolg mit Herbstlilie. Limbergens vergessene Kinder.



Facebook Autorenseite: Danise Juno
Wordpress-Blog: danisejuno
Amazon: Herbstlilie


Ich wünsche Euch einen münsterländisch, spannenden Tag.

Angela

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