Dienstag, 9. Juni 2015

Selbstzweifel

Kennt ihr das; ein kurzer Satz, den man nur mit halben Ohr wahrnimmt, gar nicht richtig beachtet und dann, Tage später, stellt man fest, dass er es in sich hatte?

Um Zweifel zu erzeugen, reicht manchmal ein Satz, eine gedankenlose Bemerkung. Aber wie kann das sein?

Ich habe zwei Theorien.

1. Theorie: Der Zweifel ist ein Bakterium oder Virus, das nur darauf wartet, dass die Abwehrkräfte ein wenig nachlassen. Ist das der Fall, weil man z.B. zu viel Stress, zu wenig Schlaf oder einfach einen schlechten Tag hatte, dann greift es an.

2. Theorie: Der Zweifel ist eine Pflanze, die nur auf dem richtigen Boden gedeihen kann. Der oben beschriebene Satz ist das Samenkorn, welches in unser Unterbewusstsein eindringt. Findet es dort den richtigen Nährboden, sind unterdrückte Zweifel schon vorhanden, dann lässt es sich nieder und kann beginnen zu wachsen.

Die Frage ist also, kann ein Satz nur dann zu Selbstzweifel führen, wenn man diese Gedanken bereits unbewusst hat? Oder kann der Zweifel sich aus sich selbst heraus erzeugen?

Ich mag ja ganz gerne Kompromisse, vielleicht ist es also eine Mischung aus beidem. Bei mir persönlich ist es meistens so, dass es unbewusste Vor-Zweifel gab, eine Unsicherheit, die ich mir vielleicht nicht eingestehen wollte oder konnte. Dann kommt ein kleiner Satz: „Deine Blumen bräuchten aber auch mal wieder Wasser.“
Ich mag Pflanzen und war immer bemüht, dass sie am Leben bleiben. Gerade in letzter Zeit sehen die Pflanzen auch wirklich gut aus und ich denke, meine Bemühungen haben sich gelohnt. Doch dann, 3-4 Tage nach dem Satz, will ich die Pflanzen gießen und da liegt ein Blatt neben dem Topf. Schon kann der Zweifel wachsen.

Warum?

Weil trotz des Erfolgserlebnis im Unterbewusstsein immer noch der Gedanke oder das Gefühl vorhanden ist, dass ich keinen grünen Daumen habe. Es bleibt eine gewisse Unsicherheit oder Angst.

Eine Zeitlang haben ich versucht, diesen Unbewussten-Nährboden abzutragen, was allerdings nicht so einfach ist, da man erst einmal an das Unbewusste heran muss. Ehrlich gesagt hat mich dieses Vorgehen nicht sehr viel weiter gebracht. Stattdessen versuche ich den Zweifel zu erkennen.

Reagiere ich plötzlich auf bestimmte Dinge genervt oder bin übellaunig, schwermütig, dann bemühe ich mich den Grund zu erkennen. Mit wem habe ich gesprochen? Was genau erzeugt diese Missstimmung, wann tritt sie auf?

Habe ich das Was gefunden, ist der Weg zum Auslöser nicht mehr weit und da eröffnet sich meistens auch bereits der Gedanke in meinem Unterbewusstsein und damit versuche ich dann zu arbeiten. Bei manchen Dingen gelingt mir das, bei anderen muss ich wohl akzeptieren, dass ich eine gewisse Unsicherheit immer in mir tragen werde. Oder sollte ich das bezweifeln?


Ich wünsche Euch einen zweifelsfreien Tag.

Angela

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