Dienstag, 1. September 2015

Danke, dass ihr uns ertragt

Machen wir uns nichts vor, sein wir ehrlich, mit einem Schriftsteller verpartnert zu sein, ist nicht immer ganz so einfach. Nicht das Schriftsteller schlimmer sind als andere Menschen, sie sind vielleicht nur manchmal ein bisschen … merkwürdiger. Natürlich räume ich ein, dass das vielleicht auch nur auf mich zutrifft, sollte sich der ein oder andere in den folgenden Worten wiederfinden; Geh, knuddle deine Liebste oder deinen Liebsten und sagt was Nettes.

Zum Glück ist meine bessere Hälfte kein Ordnungsfanatiker, sonst würde es wohl oft krachen. Abgesehen davon, dass ich wirklich überall Stifte, Notizzettel, Hefte und Blöcke verteilt habe (es könnte ja eine Idee auftauchen und dann besteht die Gefahr, sie wieder zu vergessen, bevor ich im Arbeitszimmer bin), liegen in der Überarbeitungsphase überall Leseproben herum. Oder Teile der Leseprobe. Überarbeitungsphase des Buchs = Chaos. 



Überarbeitungsphase Frühlingserinnerungen


In der Überarbeitungsphase ist das Chaos um mich herum ein Spiegelbild meines inneren Chaos. Was bedeutet, ich bin nicht nur noch zerstreuter als sonst, ich bin auch noch emotionaler. Mal super drauf und dann wieder von Zweifeln geplagt. Was natürlich für den Partner richtig lustig ist.

Es ist auch nicht immer ganz so höflich, wenn man mitten im Gespräch mit den Gedanken oder mit dem physischen Körper plötzlich ganz woanders ist.

„Ich kann jetzt nicht, ich muss schreiben.“

Gerne nötige ich auch meinen Liebsten dazu, Textausschnitte zu analysieren. Es reicht ja nicht, wenn er sagt, dass es ihm gefallen hat oder dass es ihm nicht gefallen hat. Ich brauche eine dreiseitige Abhandlung über das Warum. Das hat den meisten in der Schule bereits großen Spaß gemacht.

Stephen King schreibt in seinem hervorragenden BuchDas Leben und das Schreiben“, “Und wann immer ich einen Romanerstling sehe, der einer Ehefrau (oder einem Ehemann) gewidmet ist, lächle ich in mich hinein und denke, da weiß jemand Bescheid. Schreiben ist ein einsamer Job. Wenn man jemanden hat, der an einen glaubt, macht das eine Menge aus.“


Das Leben und das Schreiben von Stephen King


In diesem Sinne möchte ich allen Partnern danken, die ihre Schriftsteller daheim ertragen, lieben und ermutigen.


Ich wünsche Euch einen ermutigenden Tag.



Angela

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