Freitag, 20. November 2015

Große Erwartungen. Oder wie ich mich zu Weihnachten verrückt mache.

Ich neige dazu, mir selbst ziemlich Druck zu machen, was nicht besonders gut ist, vor allem, wenn man so lustige Angstanfälle und Panikattacken hat. Manchmal hat man Druck, das ist normal, aber ich verfalle schnell in so einen Kreislauf, in dem ich mir ständig und für alles Druck mache, selbst bei Kleinigkeiten. Das läuft so lange bis meine Psyche sagt: „Mach ruhig weiter, ich steige aus.“ Dann kommen die Panikattacken und ich bin gezwungen den Druck rauszunehmen, bzw. darüber nachzudenken, was eigentlich los ist.


Weihnachtsdeko, rot glitzernd

Die Weihnachtszeit ist schwierig für mich. War sie schon … Naja, nicht immer, aber seit langer Zeit. Auf die Warums will ich nicht eingehen, nicht auf alle, nur auf einen Grund.

Lange habe ich gebraucht, um das zugeben zu können, aber Weihnachten ist mir wichtig. Ich mag es kitschig, klitzernd und herzlich. Wahrscheinlich steckte das schon immer in mir und deswegen war ich bemüht, dass Weihnachten für alle schön ist. Was natürlich so überhaupt nicht funktioniert hat.
Hier kommt wieder der Druck ins Spiel, aber schauen wir mal dahinter. Was erzeugt denn eigentlich den Druck?


Erwartungen!

Für jeden das passende Geschenkt finden und zwar mit wenig Geld. Alle zeitlich unter einen Hut bekommen. Das richtige Essen aussuchen und machen. Usw.
Ich erwarte, dass die anderen zufrieden sind.
Das funktioniert nicht!
Klingt demotivierend, ist aber so. Egal, wie sehr ich mich bemühe, ich habe keinen Einfluss darauf, wie sich die anderen fühlen.
Wer ist demnach verantwortlich für den Druck?

Ich!

Ich bin die Verrückte, die durch die Stadt jagt, um Geschenke zu finden. Ich bin die Nicht-Superköchin, die Speisen zusammenstellt, sodass jeder etwas davon hat (schließlich mag der eine das nicht und der andere jenes und der Dritte hat ganz konkrete Vorstellungen von einem Weihnachtsessen).

Ich schraube meine Erwartungen an mich und an die Anderen so hoch, dass sie unerreichbar werden. Irgendwann in jungen Jahren muss ich das wohl mal unbewusst erkannt haben und änderte diese Einstellung. Dummerweise verfiel ich in das genaue Gegenteil. Ich hatte überhaupt keine Erwartungen (oder nur negative).

Ich brauche keinen Tannenbaum.
Was soll das mit dem Dekorieren? Erst aufhängen, dann abnehmen. Brauch ich nicht.
Kekse backen ist was für Kinder.


Dadurch wurde ich auch nicht zufriedener. Ich saß vor dem nicht-vorhandenen-Tannenbaum und war sehr traurig. Mir war nicht bewusst, dass ich den Weihnachtskitsch wirklich mag. Frei nach Loriot Früher war mehr Lametta!

Was kann man also tun?

Ich habe mich gefragt, was ich eigentlich will? Was ist mir wichtig, was mag ich, womit fühle ich mich wohl?


Ich mag kitschige, schräge und bunte Weihnachtsdeko. Mehr Lametta (aber ohne Lametta, da wir einen Kater haben und Katzen Lametta für lecker erachten, was extrem ungesund ist)!
Wenn mir Weihnachtsdeko wichtig ist, dann kann ich die Wohnung dekorieren. Das kann ich bereits im November machen, so kann ich mir die Arbeit aufteilen. November ist aber sehr früh! Das könnte man komisch finden. Stimmt, aber ich bin ja auch merkwürdig.
Ich liebe den Duft von Weihnachtskeksen und den Geschmack. Demnach möchte ich gerne Kekse backen.
Ich mache anderen gerne eine Freude. Ich selbst freue mich auch über Geschenke, natürlich, aber was mich hibbelig werden lässt, ist das Warten darauf, dass der andere sein Geschenk auspackt.

Ich mache mir bewusst, was ich möchte und dann setze ich die Punkte um, allerdings so wie es meine Zeit, mein Können und mein Geldbeutel erlauben.

Kann mich das den nicht unter Druck setzen?

Natürlich kann es das, aber es sollte nicht. Ich bin nicht gut im Dekorieren, ich habe dafür kein Händchen, ich weiß also genau, dass es nicht perfekt wird, aber das ist egal. Ich freue mich über das Glitzern und die Lichter. Ich tue etwas, weil es mir Spaß macht, dabei verlieren sich die Erwartung und der Druck.

Ich kann es nicht allen recht machen, aber ich kann versuchen, die Dinge so umzusetzen, dass sie mir gefallen.


Ich wünsche Euch eine kitschige Vorweihnachtszeit.

Angela

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen