Montag, 25. Januar 2016

Blödsinnige Diskussionen oder willkommen auf Facebook

Beherrscht denn kaum jemand die Kunst des Diskutierens?

Viel von dem, was mir in der Schule an Lehrinhalten vermittelt wurde, hat mein Gehirn entweder im Keller vergraben oder komplett gelöscht, doch da gibt es so ein paar Kleinigkeiten, die bei mir hängen geblieben sind.

Du kannst etwas schlecht finden, du kannst etwas nicht mögen, aber begründe, warum. Weil ich das doof finde, ist kein Argument. Benenne, was dir nicht gefällt, ohne beleidigend zu werden.
Diese Aussage (nicht wörtlich) traf unser Musik- und Kunstlehrer. Ich versuche mich daran zu halten, manchmal gelingt mir das nicht (wenn die Emotionen zu hochkochen), aber ich bemühe mich diese Sätze bei Meinungsäußerungen stets im Ohr zu haben.

Die Vorteile, wenn man einen Moment nachdenkt, bevor man seine Ablehnung kundtut, ergibt sich aus einer breitgefächerten Sicht. Wenn ich benenne, was ich nicht mag, dann erkenne ich mögliche Fehler in meinen Gedanken, zudem gebe ich jemand anderen die Chance, meine Sicht zu verstehen und/oder zu korrigieren.

Des Weiteren sehe ich Diskussionen als Möglichkeit an, Probleme zu lösen. Verschiedene Meinungen zu einem Thema KÖNNEN (müssen aber nicht) ein neues Licht auf die Situation werfen, zeigen die Probleme auf, für die man dann wiederum Lösungen suchen kann.

Anstatt eine vernünftige Diskussion mit Argumenten zu führen, wird sich beschimpft, über völlig andere Dinge geredet und vor allem nicht zugehört. Dass Diskussionen im Privaten abschweifen, verstehe ich. Es sind sehr viele Emotionen vorhanden, man kennt sich vielleicht schon seit Jahrzehnten. Es reicht ein kleines Wort (damals! Damals hast du …) und schon ist es mit der Vernunft nicht mehr weither.
In der Öffentlichkeit und Ja, das Internet gehört zur Öffentlichkeit, sollte man versuchen, nicht seine Emotionen miteinfließen zu lassen, jedenfalls nicht in Form von Beschimpfungen oder Bockigsein.  
Zwei Diskussionsthemen, die mir im Moment immer wieder über den Weg laufen; Buchkaufsucht bei Booktubern und die Ereignisse vom Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht.

Anstatt über die Kern-Probleme zu sprechen (Sexuelle Belästigung/sexuelle Gewalt, Kaufverhalten/Kaufsucht), wird über persönliche Belange gestritten oder man zweckentfremdet das Thema für die eigene Propaganda.

Ich möchte lieber daran glauben, dass die Menschen einfach nicht wissen, wie man eine Diskussion führt, als an die Bösartigkeit der Menschen, die unbedingt nach außen dringen will.
Was hat man davon, wenn man jemanden sagt, er sei doof (hier könnt ihr gedanklich auch andere Wörter einfügen). Was ist so lustig daran, jemanden zu beleidigen?

Ich schimpfe auch, aber in einem geschützten Raum. Sitze ich im Auto und mich schneidet jemand, dann bin ich nicht freundlich. Finde ich das gut? Nein. Es ist eine Affekthandlung. Ich erschrecke mich und reagiere.
Sitze ich jedoch vor meinem Computer, kann ich mir einen Kaffee machen und kurz überlegen, was oder ob ich überhaupt etwas schreibe. Ich persönlich empfinde es als Armutszeugnis, wenn ich jemanden beschimpfe.

Ich erwarte von mir, dass ich Argumente vorbringe und meinen Standpunkt vernünftig darstelle, schließlich will ich ernstgenommen werden. Kann man jemanden ernstnehmen, der einen anderen beschimpft und aus der Luft gegriffene Phrasen von sich gibt?
Nein.

Natürlich wird es für mich schwer, so zu handeln, wenn ich emotional sehr aufgewühlt bin oder mich persönlich angegriffen fühle. Diskutiere ich mit meiner Freundin oder meiner besseren Hälfte, dann kommt es vor (leider öfter), dass ich die Gefilde der Logik verlasse und nur Emotion bin. Was nicht bedeutet, dass ich mit Schimpfwörtern um mich werfe. Sarkasmus, Schreien und alte Geschichten sind mein Repertoire.

Diese Dinge bringen einen jedoch nicht weiter, jedenfalls nicht auf direktem Weg. Denn nach einem Streit muss man die Wogen erst wieder glätten und dann noch einmal vernünftig miteinander reden, falls der andere noch mit einem spricht.
Bei öffentlichen Diskussionen, sollte man dieses Vorgehen vermeiden. Ist denn nicht genau dieses Verhalten das, was uns an den Politikern so unglaublich aufregt. Sie streiten, hören sich nicht zu, bestehen auf ihre Meinung. Dieses Verhalten löst beim Bürger das Gefühl aus, dass er ignoriert wird, es nicht um seine Belange geht und die Politik macht, was sie will.

Sollten wir ihnen nicht zeigen, wie man Diskussionen auf vernünftige Art führt? Sollten wir nicht versuchen, die Dinge, die wir an anderen kritisieren, anders handzuhaben?


Ich wünsche Euch einen diskussionsfreien Tag.

Angela

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