Freitag, 22. Januar 2016

Sir Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes, eine Hass-Liebe

Sir Arthur Conan Doyle wollte als ernstzunehmender Autor wahrgenommen werden, Sherlock Holmes war ihm dabei nicht gerade behilflich. Wie kann das sein?

Kriminalromane, Gruselromane, Liebesromane waren im viktorianischen England überaus beliebt beim Leser, doch verpönt bei den Kritikern. Man wurde gerne unterhalten, sah jedoch auf die Unterhaltung hinab, wenn sie nicht von größtem künstlerischen Wert war. Dabei ist Sherlock Holmes so viel mehr als nur ein unterhaltsamer Krimi. Er ist ein Abbild seiner Zeit und der Gesellschaft. Sherlock Holmes ist ein vielschichtiger Held und gleichzeitig ein Antiheld. Hinzu kommt noch, dass die von Sir Arthur Conan Doyle beschriebenen Verfahren zur Aufdeckung der Taten zukunftsweisend waren. Platte Unterhaltungsliteratur würde ich das nicht nennen, aber … J.K. Rowling oder Stephen King sind geniale Autoren, doch bezweifle ich stark, dass einer von beiden einen Literatur Nobelpreis bekommen wird, denn das Genre steht bei der Beurteilung im Vordergrund.

Allerdings kann ich auch verstehen, dass ein Schriftsteller nicht nur für ein Buch, eine Figur bekannt sein möchte, vor allem, wenn er so breitgefächert schreibt. Historische Romane, Abenteuergeschichten (wie zum Beispiel; Die vergessene Welt), Sachbücher und Theaterstücke gehörten zu Conan Doyles schriftstellerischen Repertoire. Während des Medizinstudiums veröffentlichte Conan Doyle seine erste Erzählung “Das Geheimnis von Sasassa Valley“ und lernte Dr. Joseph Bell kennen, dessen deduktive Methoden wir bei Sherlock Holmes wiederfinden.
Das Studium der Medizin stellte für Conan Doyle keine Selbstverständlichkeit dar. Er wurde am 22.5.1859 in Edinburgh geboren und zwar in ein nicht wirklich reiche Familie hinein, was einer guten schulischen Ausbildung eigentlich einen Abbruch getan hätte. Wohlhabende Verwandte übernahmen die Kosten für seine Schule und ermöglichten ihm somit eine gute schulische Ausbildung, die ihm daraufhin die Türen zum Studium der Medizin öffnete.

Ich denke, man kann sagen, dass Sir Arthur Conan Doyle ein Mann war, der seine Chancen nutzte, was jedoch nicht heißt, dass er es einfach hatte. Weder seine Ausbildung auf der Jesuitenschule, noch seine Jahre als Schiffsarzt waren leicht. Nachdem er wieder Land unter den Füßen hatte, eröffnete er eine Praxis als Allgemeinmediziner in Portsmouth, was super klingt, aber drei harte Jahre mit wenig Geld und wenig Platz in den eigenen vier Wänden (mehr waren es auch nicht) bedeutete. 

Neben seiner Praxis diente die Schriftstellerei als Einnahmequelle. So konnte Conan Doyle die Rechte an A Study in Scarlet 1887 (nachdem sie in Beeton`s Christmas Annual veröffentlicht wurde) für 25 £ (heute ca. 2500 £) an Ward, Lock & Co. verkaufen.
Dieser erste Sherlock Holmes Roman schlug bei den Lesern direkt ein und sie forderten mehr. Es folgten Erzählungen die unter anderem im The Strand Magazine veröffentlicht wurden. Obwohl Sherlock Holmes eine sichere Einnahmequelle war, hatte Sir Arthur Conan Doyle irgendwann die Nase voll von seinem Helden und stieß ihn die Klippen hinab. Die Leserschaft war bestürzt.

Nicht nur der Leserschaft zu liebe, sondern auch für seinen Geldbeutel, kehrte Conan Doyle zu Sherlock zurück. Zuerst erschienen Fälle, die angeblich noch vor dem Reichenbachfall spielten, dann ließ er den Meisterdetektiv gänzlich von den Toten auferstehen.

Insgesamt veröffentliche er 56 Kurzgeschichten und 4 Erzählungen mit Sherlock Holmes und Dr. Watson. Diese 60 Fälle sind wie folgt aufgeteilt:

Sir Arthur Conan Doyle Sherlock Holmes
Weltbild-Sonderausgabe

Erzählungen
Eine Studie in Scharlachrot
Das Zeichen der Vier
Der Hund der Baskervilles
Das Tal der Angst

Fallsammlungen (Kurzgeschichten Bände)
Die Abenteuer des Sherlock Holmes

Die Memoiren des Sherlock Holmes
Die Rückkehr des Sherlock Holmes
Seine Abschiedsvorstellung
Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle

Sir Arthur Conan Doyle, Sherlock Holmes
Weltbild- Sonderausgabe

Ich habe die Bücher in der Reihenfolge gelesen, wie ich sie aufgelistet habe, wobei der Hund der Baskervilles eigentlich nach den Abenteuern des Sherlock Holmes veröffentlicht wurde.

Was muss man über die Bücher wissen?

Ich denke, man muss schon ein Krimifreund sein, wenn man die Sherlock Holmes Bücher lesen will. Es handelt sich um klassische Krimi-/Detektivgeschichten. Wir haben einen Fall und begleiten den Detektiv bei der Lösung. Wer gerne miträtselt, der wird seine Freude daran haben.
Die erste Erzählung erschien 1887, dementsprechend ist die Sprache etwas … schwieriger will ich gar nicht sagen, sie ist gehobener, anders. Ich persönlich liebe die Atmosphäre in Büchern der viktorianischen Zeit. Sie ist ein bisschen düster, voller Umbruchsenergie. Die Darstellung der Menschen, der Gesellschaft ist oft sehr bissig und unterlegt mit englischem Humor. Ich denke, dass man auch das mögen muss, wenn man sich die Sherlock Holmes Geschichten zu Gemüte führen möchte.

Ich liebe die Bücher, weil sie viele Elemente vereinen, die mich ansprechen. Spannung, Humor, Intelligenz, Atmosphäre, eine spitzfindige Darstellung der Gesellschaft und der Charaktere.


Ich wünsche euch einen sherlockigen Tag.

Angela

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Kommentare:

  1. Anonym1/23/2016

    Wunderbarer Text. Meine Lieblings Anekdote zu Doyle ist, dass er eines Tages aus Spass an seine Freunde einen Brief schrieb in dem es hieß: Achtung, wir sind entdeckt. Daraufhin verschwand einer seiner Freunde und wurde nicht mehr gesehen.

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  2. Liebe Anonym,
    ich habe dich auch entdeckt. Oder es ist Zufall, dass ich jemanden kenne, dessen Lieblings-Anekdote eben diese ist. Ich danke dir, dass du diese amüsante, kleine Geschichte mit uns geteilt hast. Es leben die Verschwörungen.

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