Montag, 29. Februar 2016

Falsche Voraussetzungen

Im März erscheint der zweite Teil der Sug und Morgan Reihe. Das Buch war fertig, es folgten die Überarbeitungsphasen. Nach dem Testlesen tat sich ein kleines Problem mit einer bestimmten Szene auf.
Zwei Testleser fanden eine bestimmte Szene ein wenig unverständlich. Die anderen zwei Testleser hatten mit der Szene überhaupt kein Problem.

Ich wäre bei der Szene nie auf die Idee gekommen, dass es zu Fragen kommen könnte, da sie für mich etwas Alltägliches enthält, etwas, das für mich normal ist. Nun war ich wirklich am Zweifeln und legte die Szene meiner Nichte vor. Ich bat sie, mir zu erklären, was ich damit meine. Sie gab wieder, was ich mir gedacht hatte. Ich klärte sie über die Umstände auf, die mich zu meiner Frage gebracht hatten und sie sagte, ich sei von verschiedenen Voraussetzungen ausgegangen, die bei zwei der Testleser nicht vorhanden waren.

Plötzlich ging mir ein Licht auf. Sie hatte vollkommen Recht. Ich war davon ausgegangen, dass ich einen Vorgang beschreibe, den viele kennen.

Zwei Tage später hatte ich ein Gespräch mit meiner besseren Hälfte. Zwischen mir und meiner Freundin war es zu einem kleinen Disput gekommen. Nun fragte ich mich erneut, warum sie mich um meine Meinung bittet, wenn sie sie überhaupt nicht interessiert?
Meine bessere Hälfte fragte mich … An dieser Stelle füge ich eine fiktive Frage ein, damit ihr besser nachvollziehen könnt, um was es geht, ich aber die Privatsphäre wahre.
Wie lange habt ihr für das Aufstellen des Weihnachtsbaums gebraucht?“
„Eine Stunde. Es war Heiligabend, um 18 Uhr gab es Essen, danach die Bescherung. Der Baum musste also zügig aufgestellt und geschmückt werden.“
„Jetzt stell dir vor, ihr hättet den Baum schon zwei Wochen zuvor aufgestellt. Du bist bei der Antwort von dem ausgegangen, was du kennst. Du bist von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen, nämlich schnell fertig zu werden. X hat jedoch keinen Zeitdruck.“

Damit hatte er vollkommen Recht. Ich war von gänzlich anderen Voraussetzungen ausgegangen. Das tolle an dieser Einsicht ist, dass ich mich ja gern für jemanden halte, der nachdenkt und die Situationen oder Verhaltensweisen von verschieden Seiten betrachtet. Tja, falsch gehalten, wa.

Ich bin in vielen Dingen spleenig, neurotisch und merkwürdig. Bei solchen Dingen ist mir schleierhaft, warum die Menschen anders handeln, aber mir ist bewusst, dass sie es tun, weil sie eben nicht spleenig sind. Wie es sich darstellt, habe ich diese Einsicht jedoch nicht bei allen Dingen.

Ich habe gelernt, die Voraussetzungen, von denen ich ausgehe, nicht aus den Augen zu verlieren und sie noch einmal zu überprüfen. Sherlock Holmes wäre das nicht passiert, wobei … Auf seine Fälle bezogen, wäre es ihm nicht passiert. Erst alle Fakten zusammentragen und überprüfen. Im zwischenmenschlichen Bereich stand er auch manchmal vor einem Rätsel, vielleicht, weil er von den falschen Voraussetzungen ausgegangen ist.


Ich wünsche Euch einen nicht-die-Voraussetzungen-aus-den-Augen-lassenden Tag.

Angela

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