Montag, 1. Februar 2016

Jeeves und Wooster oder die Kunst des Manipulierens

Tante Agatha ist davon überzeugt, dass ihr Neffe Bertie Wooster dringen jemanden braucht, der ihn auf Kurs bringt. Aus diesem Grund soll er heiraten. Was sie nicht weiß, Bertie hat so einen Menschen bereits in seinem Leben, den Butler Jeeves.


DVD, Jeeves und Wooster Herr und Meister



Meine bessere Hälfte hatte Geburtstag und wie immer, war es gar nicht leicht, etwas Passendes zu finden.
Durch die Glimmerfeen bin ich auf P.G. Wodehouse und seine Geschichten von Jeeves und Wooster aufmerksam geworden. England der 20er und 30er Jahre. Schnelle, humorvolle Geschichten. Schräge Charaktere. Überzeugender geht es ja fast nicht.
Die BBC war so freundlich und verfilmte die Geschichten um Jeeves und Wooster mit Stephen Fry und Hugh Laurie in den Hauptrollen.
Glimmerfeen-Empfehlung, Stephen Fry und Hugh Laurie, BBC.
Muss ich noch mehr sagen?!

Das Geschenk wurde von meiner besseren Hälfte freudig entgegengenommen und direkt reingeschaut. Die ersten zwei Folgen sind noch etwas ruhiger, verhaltener, aber ab der dritten Folge haben sich Stephen Frey (Jeeves) und Hugh Laurie (Wooster) aufeinander eingespielt. Nach der fünften Folge ging mir dann ein Licht auf.

Lasst mich ein bisschen ausholen. Jeeves neigt dazu, seine Meinung eher indirekt kundzutun, verständlicherweise, schließlich ist er der Butler. Es steht ihm ja nicht zu, seinen Arbeitgeber zu belehren (hüstel).
Jeeves wäre jedoch nicht Jeeves, wenn er seine Meinung nicht doch kundtun würde.
Wenn Sie meine, Sir.“ Die Stimmlage ist ein bisschen höher, mit einem Hauch Sarkasmus versetzt und dem typischen “Natürlich, weiß ich es besser“.
Am Anfang merkt Wooster noch nicht, was der Unterton zu bedeuten hat, doch recht schnell lernt er es und so folgt auf Jeeves Bemerkung: „Was, Jeeves? Sagen Sie schon? Was haben Sie gegen …?“.

Dieser Ton, den Jeeves anschlägt, kam mir gleich bekannt vor. Aber auch bei mir dauerte es, bis ich ihn wiedererkannte.
Meine bessere Hälfte sagt zwar nicht Sir zu mir (wir siezen uns auch nicht), aber …
Wenn es dir gefällt?!“ oder „Dir muss es gefallen.“
Ein konkretes Beispiel. Ich sehe eine Strickjacke, die mir gefällt. Ich zeige sie meiner besseren Hälfte. Er atmet nur schnaufend aus.
„Was hältst du von der?“, frage ich.
Ein kritisch, schräger Blick von seiner Seite.
„Was? Gefällt sie dir nicht?“
„Dir muss sie gefallen.“

Das reicht. Mehr muss er nicht sagen, manchmal sagt er aber mehr. Allerdings reicht das schon, damit ich die Strickjacke wieder weghänge, denn nun frage ich mich, was stimmt nicht mit ihr?
Meine bessere Hälfte und ich haben recht unterschiedliche Geschmäcker, was Kleidung angeht. Während ich eher bunt, manchmal schräg und ausgefallen bin, ist er der konservative, ordentliche, elegante Typ.

Es ist schon ein bisschen erschreckend, dass mir erst durch eine Serie bewusst wird, wie offensichtlich ich in manchen Dingen manipuliert werde. Was genau daran erschreckend ist, ob die Serie, die Manipulation oder das Nicht-Bemerken, weiß ich auch nicht.


Ich wünsche Euch einen nicht-manipulativen Tag.

Angela

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