Montag, 22. Februar 2016

Jugendliche sind dumm!?

Reißerischer Titel! Erste Regel für einen Post, suche nach reißerischen Überschriften.
Natürlich sind Jugendlich nicht dumm. Oder?
Wie seht ihr das?
Moment, ich glaube unter meinen Lesern sind gar keine Jugendlichen, schließlich schreibe ich nicht über Beauty-Produkte, Smartphones, Pornos oder Mainstream.

Nervt Euch das eigentlich nicht, wenn ihr ständig so dargestellt werdet?
Jugendliche sind konsumsüchtig, leben nur noch in der digitalen Welt, schauen sich Schweinkram im Internet an und folgen jedem Trend, egal wie doof er ist.
Mich würde das nerven, eigentlich nervt es mich auch.

Als Jugendliche (jetzt natürlich auch noch) wollte ich ernst genommen werden. Es hat mich tierisch auf die Palme gebracht, wenn mich die Erwachsenen von oben herab behandelt haben.
Ich bin dankbar, dass meine Brüder das nicht getan haben. Mein zweit jüngster Bruder hat mich immer dazu aufgefordert, selbstständig zu denken und meine Meinung zu äußern. Er hat mit mir über Philosphie, Geschichte und Politik gesprochen. Er hat mir zugehört, mich Rätsel lösen lassen und meine Neugier gefördert.
Allerdings ist mir das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, nicht fremd. Manche Lehrer konnten das zum Beispiel sehr gut. Das hat mich wütend gemacht, weil ich nicht verstehen konnte, warum meine Meinung nur aufgrund meines Alters weniger wert sein sollte als die Erwachsener.

Erfahrung!

„Wenn du älter bist, siehst du das anders.“

Stimmt, manche Dinge sehe ich heute anders. Mit manchen Dingen gehe ich anders um, weil ich gelernt habe, damit anders umzugehen. Allerdings sind mir auch ein paar Dinge abhandengekommen.
Als Jugendliche war ich ein kleiner Revolutzer. Ich wollte die Welt verändern, habe mich nicht gescheut gegen Windmühlen anzutreten. Ich hatte auf einige Dinge einen romantischen Blick, habe Überzeugungen mit Feuereifer verteidigt.
Heute komme ich schnell an den Punkt, an dem ich denke, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Ich betrachte einige Dinge viel nüchterner, weil die Erfahrung mich gelehrt hat, dass Beziehungen und Menschen nicht in die romantischen Vorstellungen passen.

Durch Erfahrung lernt man, bekommt man einen anderen Blick auf die Dinge. Trotzdem finde ich es anmaßend, nur das Alter ins Feld zu führen, um seine Sicht der Dinge zu bestätigen. Es gibt junge Menschen die mehr erlebt haben als vermeintlich Erwachsene.
Ebenso stelle ich immer wieder fest (Facebook, YouTube, das Internet im Allgemeinen ist eine Fundgrube), Alter schützt vor unüberlegten Äußerungen nicht. Der Jugend wird nachgesagt, sie sei impulsiv, denke nicht viel nach, lasse sich von ihren Gefühlen/Hormonen lenken. Demnach müssten sich Menschen ab 30 Jahren (was übrigens nicht alt ist, liebe junge Hüpfer) besonnener ausdrücken. Man müsste erwarten, dass sie ihren Verstand und nicht ihre Gefühle sprechen lassen. Weit gefehlt. Ich bin immer wieder erstaunt, was manche Leute so äußern, das Alter spielt dabei keine Rolle.

Im Internet stoße ich immer wieder auf folgende Äußerungen:

Ich bin zu alt für das Buch. Es hat keine Handlung, die Charakter sind schlecht ausgearbeitet, es ist oft unlogisch. Allerdings gehöre ich auch nicht mehr zur Zielgruppe. Mit 15 hätte ich das Buch geliebt.

Es ist so schade, dass Qualität auf YouTube keine Rolle spielt. Das Publikum ist jung und die legen keinen Wert auf Qualität.

Kein Wunder, dass X viele Haterkommentare bekommt, seine Zielgruppe ist 13 Jahre.

Das Buch beinhaltete Sätze, die über mehrere Zeilen gehen. Das geht gar nicht, vor allem nicht in einem Jugendbuch.


Das Bild, welches von Jugendlichen gezeichnet wird, ist nicht besonders prickelnd. Sie sind zu dumm, um ein Buch mit langen Sätzen zu lesen. Sie lieben nur Mist und schreiben den ganzen Tag Hasskommentare. Alter, was wäre ich angepisst gewesen, wenn damals öffentlich so eine Meinung geherrscht hätte.
Die oben genannten Punkte treffen sicher auf einige Jugendliche zu, allerdings auch auf Erwachsene.

Auf der einen Seite versucht man die Jugendlichen zu überbehüten. Da wird diskutiert, was in einem Jugendbuch vorkommen darf, welche Filme ungeeignet sind. Auf der anderen Seite werden sie als potenzielle Käufer ausgenutzt und für dumm erklärt. Gleichzeitig steckt man bereits Kinder in Sprachkurse und will sie auf die harte Arbeitswelt vorbereiten (mit 5 Jahren).

Wäre es nicht sinnvoll, wenn man davon ausgehen würde, dass junge Menschen denken können? Wäre es nicht sinnvoll, ihnen beizubringen, wie sie sich eine eigene Meinung bilden, anstatt ihnen nur vorgekautes Wissen einzuflößen? Nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Fan von Wissen, ich denke allerdings, dass man lernen muss, mit Wissen umzugehen.
Wenn man Kindern beibringt, nicht alles zu glauben, was andere sagen, selbst nachzudenken, dann muss man auch nicht fürchten, dass irgendein YouTuber seine Position ausnutzen kann und ihnen Duschgels andreht.

Als Jugendlicher ist man ungestümer, leidenschaftlicher und oft auch unbesonnener. Anstatt darüber die Nase zu rümpfen, sollte man die Stärken in diesen Eigenschaften sehen. Wenn wir älter werden, tun wir manche Dinge nicht, weil uns das Feuer fehlt. Zu viel Aufwand, zu unvernünftig, zu … Veränderung kann jedoch nur stattfinden, wenn man etwas tut.

Das Feuer der Jugend und der erweiterte Blick des Erwachsenen könnten zusammen ein unschlagbares Team ergeben, wenn sie sich gegenseitig zuhören, ernstnehmen und respektieren.


Ich wünsche Euch einen altersunterschiedsfreien Tag.

Angela

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