Montag, 8. Februar 2016

Modern lesen


Es gibt Dinge, die ich nicht verstehe, da ich sie aber gerne verstehen würde, frage ich nach. Dieses Nachfragen wird manchmal nicht so sonderlich positiv aufgenommen, da meine Fragen als Kritik angesehen werden, was sie jedoch nicht sind. Ich kann diese Reaktionen aber nachvollziehen, denn auch mir geht es manchmal so.

Demnach möchte ich ausdrücklich betonen, in diesem Post stelle ich nur Fragen, weil ich mich bemühe, etwas zu verstehen, nicht um unterschwellig Kritik zu äußern. Zudem gilt, ich verallgemeinere nicht! Es gibt die unterschiedlichsten Menschen in allen Bereichen.

Ich treibe mich viel auf Booktube oder Bücherblogs rum, weil ich Bücher liebe. Nun stoße ich immer wieder auf Dinge, die mich stocken lassen.

Lycidas von Christoph Marzi, 861 Seiten

Schreckgespenst Dicke Bücher
Einige wenige öffentliche Leser mögen Dicke Bücher, die meisten scheinen sie jedoch abzulehnen oder als Herausforderung zu sehen. Einige geben offen zu, wenn sie ein 1000-Seiten-Buch lese, war es das für den Monat und sie können euch keinen Monatsrückblick abdrehen.
Mir war noch nie bange vor dicken Büchern, weil ich es als Bonus empfunden habe, so viele Seiten (so viel Geschichte) für den gleichen Preis zu bekommen. Was habe ich mich gefreut, als der fünfte Harry Potter erschien und über tausend Seiten hatte.
Nachteile bei dicken Bücher sind ihre Schwere und Unhandlichkeit.
Ich kann nicht verstehen, warum dünne Bücher mit großer Schrift und viel leerer Seite so beliebt sind. Wenn die Schrift nicht ganz so winzig ist, freue ich mich auch, dann brauche ich meine Lesebrille nicht. Das verstehe ich also.
Was ich nicht verstehe ist … 15 € - 20 € für ein 400 Seiten Buch auszugeben, was man locker auf die Hälfte hätte schrumpfen und als Heftchen herausbringen können. Fühlt ihr euch denn nicht manchmal veräppelt? Gerade bei den Jugendbüchern und Liebesromanen ist mir aufgefallen, dass diese Bücher gerne künstlich aufgeblasen werden.


Bücher leserfreundlich zu gestalten, finde ich super. Bei meinen eigenen Büchern achte ich ebenfalls auf eine angenehme, etwas größere Schrift, da auch meine Mama sie lesen soll. Trotzdem beschleicht mich der Verdacht, dass einige Bücher aus anderen Gründen dermaßen aufgeblasen werden.

Alibi von Agatha Christie, 197 Seiten


Zu dünne Bücher
Hat das Buch jedoch nur um die 200 Seiten wird es als zu dünn betrachtet.
Vorurteil: Geschichte und Charaktere können sich auf so wenigen Seiten nicht ausreichend entwickeln.
Falsch!
Die Seitenzahl sagt nichts über die Geschichte aus. Man kann 500 Seiten mit Geschwafel füllen, man kann 100 Seiten mit einer wunderbaren Geschichte füllen, oder umgekehrt.


Ich verstehe nicht, wieso die Seitenzahl plötzlich so wichtig ist?
Wir (meine lesenden Freunde in der Jugend und ich) haben uns früher darüber gefreut, wenn die Bücher dick waren, weil wir länger etwas von der Geschichte hatten und zwar für den durchschnittlichen Taschenbuchpreis. Wenn das Buch jedoch dünn war, dann war auch das ok, denn wichtig waren und sind nicht die Seiten, sondern, was auf ihnen steht.
Ist die Seitenzahl so wichtigen und wenn ja, warum?

Bloß nicht zu viel denken müssen
Genres sind Geschmackssache. Die Gründe, warum man liest, sind unterschiedlicher Natur. Manchmal ist mir nach etwas Schnellem, nach etwas, bei dem ich mich berieseln lassen kann, manchmal nach etwas Viktorianischem, Wissenschaftlichem oder etwas, das mich zum Grübeln bringt.
Was mir jedoch in der Bücherseele weh tut, ist die Ablehnung von Büchern, nur, weil sie Klassiker sind oder lange Sätze beinhalten.
Ich persönlich mag lange Sätze. Kurze Sätze können mich auch schon mal aus dem Lesefluss rausbringen. Ich mag auch Fremdwörter in meinen Büchern. Bücher dürfen ruhig anspruchsvoll sein.

Leider beschleicht mich öfter Mal der Eindruck, dass Denken beim Lesen nicht gewünscht ist. Die Charaktere sollen sofort und über-deutlich beschrieben werden, damit ich meine eigene Phantasie nicht bemühen muss. Rätsel, die sich erst im Laufe der Geschichte auflösen, bringen manche aus dem Lesefluss, denn alles soll von Beginn transparent sein.
Wie gesagt, Geschmäcker sind verschieden, was wunderbar ist. Ich finde es nicht gut, wenn man Bücher ablehnt, nur, weil sie lange Sätze beinhalten. Wenn man sagt, dass lange Sätze in Jugendbüchern inakzeptabel sind und eigentlich auch in Erwachsenenbüchern, dann schmerzt mich das.

Coverkauf
Natürlich greife auch ich nach einem Buch, weil mich das Cover angesprochen hat. Ich kaufe allerdings kein Buch, weil es ein schönes Cover hat. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich die meisten, als schön betitelten Bücher, nicht schön finde. Büchercover mit Mädchen drauf (die zurzeit ja extrem beliebt sind) sprechen mich nicht an. Erstens gibt es zu viele davon, es fehlt ihnen das Einmalige und sie deuten auf Geschichten hin, die mich langweilen.
Die Aussage, Mich interessiert zwar die Geschichte, aber das Cover ist so hässlich, dass es mich vom Lesen abhält, kann ich nicht nachvollziehen. Ich sehe das Cover beim Lesen doch nicht, also ist es mir Peng, wie das Cover aussieht.
Warum ist der äußere Schein so wichtig?



Fazit
Mir drängt sich der Verdacht auf, dass es beim Modernen Lesen mehr um Schein als um Sein geht. Seitenzahl, Cover, Autor, allgemeine Beliebtheit stehen im Vordergrund und dann kommt erst die Geschichte.
Ich kann das nicht nachvollziehen.
Bücher sind Freunde, die nicht werten. Es ist ihnen egal, ob du im Pyjama oder im Abendkleid mit ihnen auf der Couch sitzt. Sie lassen dich lachen und weinen ohne ein Urteil zu fällen. Sie teilen mit dir ihre Geschichte.
Wieso unterliegen Bücher dann diesen ganzen Vorurteilen und Normen und Äußerlichkeiten?

Was bedeutet Lesen heutzutage?
Mehr Schein als Sein?
Quantität vor Qualität?

Ich kann diese Fragen nicht beantworten, ich kann nur sagen, dass es mich oft befremdet und mir die Menschen mal wieder Rätsel aufgeben.


Ich wünsche Euch einen guten Lese-Tag.

Angela

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