Freitag, 15. April 2016

Let’s talk about Sex


Biene, Blume, Pollen
Foto von Naemie Gäde. Antwort auf meine Anfrage: Ich bin für die Verbreitung von Wissen.

Als ich 6 Jahre alt war, bekam ich auf dem Schulhof mit, wie ein Junge zu einem Mädchen Hure sagte. Das Mädchen begann zu weinen. Ich schloss daraus, dass es sich bei dem Wort um ein schlimmes Schimpfwort handeln musste. Da ich schon immer sehr neugierig war und nicht die Bedeutung des Wortes kannte, fragte ich meine Mama.
Meine Mama (und das finde ich heute noch großartig) erklärte mir, was es bedeutet und da wir schon einmal dabei waren, klärte sie mich direkt auf. Ich bin froh, dass sie nicht einfach sagte, es sei ein schlimmes Wort, ich solle es nicht benutzen und fertig. Sie sprach mit mir, vernünftig und damit war die Sache auch gegessen. Meine Neugierde war befriedigt und gut.

Worum bitte geht es in der Debatte um Aufklärung im Schulunterricht?

Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder zu früh aufgeklärt werden. Da stellt sich mir die Frage, was erzählt ihr denn euren Kindern, wenn jemand in der Familie schwanger ist? Die Frau hat zu viel gegessen? Der Storch bringt die Babys? Säuglinge wachsen im Kohlbeet und werden nach 9 Monaten geerntet?

Ja, ich bin ein bisschen in den Sarkasmus verfallen, ich merke es selbst.

Sex ist ein Bestandteil des Lebens, zumindest bei den meisten Menschen und Tieren. Sex ist eine ganz natürliche Sache, warum können wir dann nicht darüber sprechen?
Wovor genau sollen die Kinder denn geschützt werden?

Ich verrate euch einen einfachen Trick, wie ihr eure Kinder schützen könnt vor ungewollter Aufklärung.
Tut es selbst!
Setzt euch mit eurem Kind hin und erklärt ihm, wie das mit den Blümchen und Bienchen funktioniert. Wenn ihr nicht wisst, wie ihr das machen sollt, dann holt euch Hilfe. Es gibt tolle Kinderbücher, die sich mit dem Thema beschäftigen und es wunderbar erklären. Oder schaut euch die Folge über Fortpflanzung der Serie “Es war einmal das Leben“ an.

Meine Mama war und ist kein Hippie. Sie hat mir meine Fragen beantwortet, weil sie sich noch gut an ihre Kindheit erinnern konnte. Meine Mama ist Jahrgang 1935. Als sie ihre Periode bekommen hat, brach sie weinend vor Angst zusammen, weil sie dachte, sie müsse sterben. Als ihre Mutter bemerkte, dass sie langsam in die Pubertät kam, sagte sie ihr: „Wehe, wenn du mit einem Kind nach Hause kommst, ich prügle dich windelweich.“
Meine Mama verstand überhaupt nicht, was ihre Mutter damit meinte, doch die Angst blieb.

Ich habe immer wieder das Argument gehört, dass die Kinder vor Verwirrung geschützt werden sollen. Das finde ich gut. Wisst ihr, wie man das hinbekommt? Indem man die Kinder aufklärt.

Ein ganz wichtiger Punkt dabei ist, wenn Kinder vor etwas Angst haben, dann reden sie nicht darüber. Wenn sie merken, dass Sex ein schwieriges Thema ist, dann werden sie nicht kommen und sich im Zweifel an jemanden wenden. Wenn man Kinder und Jugendliche stärken und vor Missbrauch schützen will, ist aber genau das wichtig. Ein Mädchen, dass weiß, was in ihrem Körper vor sich geht und sich ihrem Recht auf eine eigne Sexualität bewusst ist, wird sich zu nichts überreden lassen. Sie weiß, dass Sex ohne Kondom nicht nur zu Schwangerschaften, sondern auch zu Krankheiten führen kann. Sie weiß, dass “andere Mädchen machen das auch“ oder “wenn du mich liebst, dann bläst du mir einen“ keine Argumente sind.
Ein aufgeklärter Junge weiß, warum Kondome wichtig sind. Er weiß, dass zusammen Spaß haben mehr Spaß macht. Er weiß, dass Sex mehr ist als nur einen wegstecken.

Wenn ihr eure Kinder schützen wollt, klärt sie auf. Wenn ihr nicht wisst wie, dann klärt erst einmal euch auf. Sexualität ist ein spannendes Thema, das weit über Geschlechtsverkehr und Pornos hinausgeht. Vergessen wir nicht die Gefühle, die Freude und den Spaß (damit meine ich Lachen), denn genau darum geht es doch eigentlich.


Ich wünsche Euch einen aufgeklärten Tag.

Angela

Die anderen Posts zum Themen-Freitag im April

Themen-Monat-April: Deutschland in Angst


Deutschland in Angst

Let’s talk about Sex

Sex als Bedrohung

Die Ehe für Homosexuelle geht gar nicht!

Nieder mit dem Feminismus!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen