Freitag, 22. April 2016

Sex als Bedrohung


Mit Sex meine ich das englische Wort für Geschlecht. Aber eigentlich soll es heute weniger um das Geschlecht (angeborene) gehen, als vielmehr um den Begriff Gender.

Gender = (von mir vereinfacht dargestellt) anerzogenes Geschlecht.

Ich habe den Eindruck, dass Gender wie Feminismus ein Wort ist, dass es reicht auszuschreiben, um direkt ein Shitstorm heraufzubeschwören. Gender oder auch Gender-Studien sind aber nichts Schlimmes.

Es gibt Wissenschaftler, die sich mit den Phänomenen im Universum beschäftigen, oder mit alten Kulturen oder mit Menschen. Ein Zweig dieser Wissenschaftler schaut sich Männer und Frauen genauer an.

Stopp!
Ich höre das Genöle! Wofür soll das gut sein? Alles Geldverschwendung! Männer sind Männer und Frauen sind Frauen!

Hast du ein Kind? Wenn du zum Arzt musst mit deinem Kind, gehst du dann zum Kinderarzt? Wenn du deinem Kind ein Buch kaufst, kaufst du ihm ein Kinderbuch?
Noch vor 150 Jahren hatte man einen anderen Blick auf Kinder. Sie waren kleine Erwachsene, deswegen gab es auch keine moralischen Problematiken, sie in Gruben, Fabriken oder Schornsteinen arbeiten zu lassen. Erst durch die Wissenschaft (z.B. die Pädagogik) änderte sich dieses Bild und plötzlich wurde deutlich, dass man 10-Jährigen keinen Alkohol geben sollte.

Die Gender-Studien befassen sich mit Frauen und Männern, mit den Unterschieden, der Wahrnehmung in der Gesellschaft und vieles mehr.

Beispiel: Im ehemaligen Kegelverein meiner Mama gab es einige Damen, die eine Knieoperation hatten. Nicht eine von ihnen war danach Beschwerdefrei. Meistens endete es mit einer Versteifung des Knies (stark eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit). Dies könnte (muss aber nicht) damit zusammenhängen, dass künstliche Kniegelenke nicht explizit für Frauen gemacht wurden. Erst seit einigen Jahren wird darauf geachtet und zwar, weil findige Gender-Forscher_innen dieses Problem aufgedeckt haben.

Ihr möchtet doch alle heile nach Hause kommen, nicht wahr? Wenn deine Tochter oder deine Frau abends unterwegs ist, dann hoffst du, dass sie von niemanden dumm anlabert oder schlimmeres wird. Ich als Frau hoffe das auch.
Gender-Forschung beschäftigt sich ebenfalls mit dem täglichen Leben, unteranderem der Frage, wie nutzen Frauen die Öffentlichkeit? Wo fühlen sich Frauen sicher, wo nicht?
Durch diese Studien kann man Probleme erkennen und sie lösen. Video-Überwachung auf Parkplätzen. Bessere Beleuchtung auf dem Unigelände. Wachpersonal an Bahnhöfen, an das man sich im Notfall wenden kann.

Alles schön und gut, aber was ist mit der Sprache, Unisex-Toiletten und Ampelfrauen?
Wie in allen Bereichen gibt es auch in der Gender-Forschung Zweige, die sehr radikal sind. Das finden wir überall.
Brauche ich eine Ampelfrau? Nein! Ich rege mich aber auch nicht darüber auf.

Aber dafür wird unnötig Geld ausgegeben.

Sehen wir es doch einmal von dem Standpunkt aus. Es wurde Geld ausgegeben, aber dieses Geld ist doch nicht weg. Eine Firma, die diese Ampelfrauen herstellt, hat den Auftrag dafür bekommen, konnte ihren Mitarbeitern Lohn bezahlen und die können ihre Rechnungen bezahlen.
Ich persönlich wäre ja für Ampelkatzen.

Unisex-Toiletten sind eine super Idee. Ich bin absolut dafür, schon aus rein praktischen Gründen. Ich gehöre nämlich zu den Frauen, die ausgerechnet dann pipi müssen, wenn eine Million andere Frauen das gleiche Bedürfnis haben. Jede Toilette mehr, ist mir nur Recht. Liebe Männer, auch euch kommt das zu Gute, denn so könnt ihr euch die Frage sparen; Was hat das denn so lange gedauert.

Mit der Sprache ist das so eine heikle Angelegenheit. Ich benutze auch oft nicht die weibliche Form, weil ich zu faul bin. Mir ist die Wichtigkeit jedoch bewusst.

Exkurs in die Vergangenheit
Frauen wurden über viele Jahrhunderte aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Die Welt der Frau beschränkte sich auf das Heim und die Arbeitsstelle. Frauen durften nicht in Kneipen oder allein auf die Straße, taten sie es doch, dann litt ihr Ansehen. Frauen gab es zwar, aber sie waren nicht wirklich existent, deswegen Leben wir in einer Männerwelt.
Nehmen wir noch einmal die Toiletten. Frauen brauchen länger für den Toiletten-Vorgang (vor allem, wenn sie ihre Periode habe). Frauen und Männer Toiletten sind aber gleichgroß. Durch die Pissoirs haben Männer meistens sogar noch mehr Möglichkeiten ihren Bedürfnissen nachzugehen als Frauen. Taktisch klug wäre es jedoch, wenn die Damen-Toiletten größer wären.

Bei Berufen ist die männliche Form der Standard, auch deswegen werden Frauen weniger ernstgenommen in der Berufswelt. Das Wörtchen “man“ wird für eine Allgemeine-Beschreibung verwendet. Sprechen wir also von allen Menschen, dann benutzen wir eine männliche Darstellung.

Vielen Frauen und Männern ist gar nicht bewusst, wie viel Raum Männer einnehmen, einfach, weil wir daran gewöhnt sind. Die wenigsten Frauen trauen sich abends oder früh morgens durch einen Park. Automatisch sucht man das Licht oder Menschenmengen, wenn man als Frau allein unterwegs ist. Aber auch zuhause … Es gibt bereits eine starke Veränderung in diesem Bereich, doch noch 10 oder 20 Jahren gab es Kinderzimmer, Hobbykeller und Büros. Das Kinderzimmer war für die Kinder, das Büro und der Hobbykeller für den Mann. Wo ist das Zimmer für die Frau?

Ha, ha, ha … die Küche.

Ist es wirklich so schlimm, wenn wir uns die Sprache teilen?

Manche Forderungen der Gender-Forschung sind überzogen. Manche sind nur auf den ersten Blick überzogen, wenn man sich 10 Minuten mit ihnen befasst, erkennt man die Wichtigkeit. Manche sind wichtig.

Gender-Forschung oder Gender-Mainstreaming ist nichts vor dem man Angst haben muss. Gender-Forschung will keinem etwas wegnehmen, sie ist darum bemüht, dass wir besser miteinander umgehen und leben können.

Es ist gut und richtig nicht jedes Forschungsergebnis anzunehmen. Es ist auch richtig, etwas nicht gut zu finden, aber lehnt deswegen nicht alles ab, was mit dem Thema Gender zu tun hat.
Nur, weil du Zitroneneis nicht magst, lehnst du auch nicht Eis als solches ab.


Ich wünsche Euch einen gleichberechtigten Tag.

Angela


Die anderen Posts zum Themen-Freitag im April

Themen-Monat-April: Deutschland in Angst


Deutschland in Angst

Let’s talk about Sex

Sex als Bedrohung

Die Ehe für Homosexuelle geht gar nicht!

Nieder mit dem Feminismus!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen