Freitag, 5. August 2016

Grenzen


Lasst uns über Grenzen reden und über Kleinigkeiten. Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, klingt gut oder?
Das Ganze hat einen kleinen Haken. Mir liegt daran, dass es keinen Streit gibt, eine gewisse Harmonie bestehen bleibt. Das führt dazu, dass ich manche Dinge nicht anspreche oder bemüht bin, sie diplomatisch zu äußern. Manche Dinge nehme ich hin und sage mir, dass mein Gegenüber nicht anders kann, meine Schichtweise nicht für alle gilt …

Auf den Punkt gebracht, ich versuche, meinen Gegenüber zu verstehen und zu akzeptieren. Das fällt mir nicht immer leicht. Irgendwann sind zu viele Kleinigkeiten zusammengekommen oder es wurden meine Grenzen einmal zu viel ignoriert, dann explodiere ich.

Gleichzeitig fällt es mir schwer nichts zu sagen, wenn ich mitbekomme, dass die Grenzen anderer überschritten werden.

Ich will keinen falschen Eindruck vermitteln, ich bin keine Heilige. Mir geht es um einen bestimmten Punkt.

Warum ist es leichter, für andere einzustehen als für mich selbst?

Dazu sind mir zwei Dinge eingefallen.
1. Von außen hat man meistens einen besseren Überblick, steckt man selbst in der Situation, nimmt man es unter Umständen nicht sofort wahr, wenn jemand zu weit geht. Abends, wenn man im Bett liegt, denkt man sich; was war das denn, was hat X gesagt?

2. Mich kannst du gerne angreifen, aber wehe, du greifst jemanden an, den ich mag oder liebe. Das klingt heldenhaft. Doch was dahinter steht, ist ein Mangel an Selbstwert.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Diesen Satz kann man auf verschiedene Weise auslegen. Sei kein Egoist und sieh nicht immer nur dich. Lass die Liebe, die du dir entgegenbringst, auch anderen zuteilwerden.
Die nächste Variante (die genauso richtig ist) besagt, dass man sich selbst lieben soll, genauso wie man andere liebt. Du solltest dir ebenso wichtig sein wie es dir deine Familie und Freund (und so weiter) sind.

Damit sage ich nicht, dass ich mich nicht liebe oder kein Egoist bin. Nochmal; ich bin keine Heilige. Es gab Situationen, in denen ich Dinge hingenommen, geschwiegen habe, weil ich mögliche Konsequenzen für mein Umfeld vermeiden wollte.

Beispiel
Angenommen man hätte mit seinem Partner zusammen einen Hund. Ihr beide liebt den Hund und deine Familie auch. Nun trennen ihr euch, könnt euch aber auf ein gemeinsames Sorgerecht für den Hund einigen. Mal ist er bei ihm, mal ist er bei dir. Nun hat dein Ex-Partner noch unterdrückte negative Gefühle wegen der Trennung. Diese lebt er ab und an in Form von Stichellein aus.
Seine Sprüche und Sticheleien verletzen dich, er überschreitet damit eine Grenze, doch du schweigst, denn du befürchtest, dass er dir sonst den Hund entzieht. Nicht nur dir, sondern auch deiner Familie, die ihn ebenso liebt, wie du.

Das sind Situationen, die man so lange aushält, bis das Fass mit den Kleinigkeiten voll ist und Explodiert. Das Problem an solchen Explosionen, sie sind unkontrolliert. Mir geht es zumindest so. Ich explodiere, werde von Wut überschwemmt und dann funktioniert das diplomatische Denken nicht mehr. Ich würde jetzt gerne sagen, wenn man früher etwas sagt, früher darauf hinwiesen hätte, dass der andere eine Grenze überschritten hat, dann kann man solch einen Ausbruch verhindern. Leider ist das nicht immer der Fall, es kommt auf dein Gegenüber an.
Möglicherweise sagt dein Gegenüber: Mir war nicht bewusst, dass ich dir damit zu nahetrete, ich werde darauf achten, es nicht mehr zu tun.
Genauso gut kann dein Gegenüber sauer werden oder weiterhin deine Grenzen missachten.

Den einzigen Orientierungspunkt den man hat, ist man selbst. Wie lange, kann ich die Situation ertragen? Ist es nicht für alle besser, wenn ich sofort etwas sagen, solang mein Unterbewusstsein noch nicht überschwemmt ist von Wut?


Ich wünsche Euch einen friedlichen und harmonischen Tag.

Angela

 

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