Freitag, 23. September 2016

Toleranz, Intoleranz; wie tolerant bin ich?

Ich habe Schwierigkeiten damit, wenn Menschen intolerant sind. Gerade in bestimmten Gruppen, bei denen man eigentlich vermuten würde, dass sie Toleranz zum Frühstück zu sich nehmen, fehlt es oft an selbiger.

Schon haben wir die Krux der Sache angesprochen.

Wie tolerant bin ich, wenn ich Schwierigkeiten mit Intoleranz habe?

Wenn ich wirklich tolerant wäre, müsste ich dann nicht Intoleranz tolerieren? Müsste ich dann nicht jedem seine Gedanken und Gefühle lassen (was ich ja tue, denn wegnehmen kann ich sie ihm nicht)?

Wenn ihr jetzt hofft, ich gebe euch eine intelligente, klärende Antwort, dann muss ich euch enttäuschen, ich habe keine Antwort auf die Frage.
Ich versuche wirklich tolerant zu sein, dabei führe ich mir immer wieder zwei Dinge vor Augen. Wir leben alle auf unserer eigenen Insel (Vera Birkenbihl) und jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung.
Nehmen wir ein schwieriges Thema.
Verdammt, während ich in meinem Kopf die Themen durchgehe … Rassismus, Sexismus, Politik, Umweltschutz, Tierschutz etc. merke ich, wie intolerant ich bin.
Sagt jemand, alles sollte nach Rassen getrennt sein, dann kann ich das nicht tolerieren. Die Frau steht unter dem Mann oder kann nur bestimmte Dinge, dann kann ich das nicht tolerieren.

Warum?

Weil diese Aussagen das Gegenteil von dem sind, was ich glaube und vertrete. Alle Menschen sind gleich, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht, ihrer Stellung, ihrer Religion und sollten dem entsprechend auch die gleichen Chancen haben. Gleich bedeutet übrigens nicht, sie sind identisch. Ich bin der Meinung, man sollte respektvoll mit allem umgehen.
Jeder Mensch ist ein Individuum, das ein Recht auf freie Entfaltung hat, solange es damit nicht in die Freiheit eines anderen eingreift.

Was mache ich jetzt mit der Toleranz?

Hat die Toleranz vielleicht Grenzen? Kann ich sagen, ich bin tolerant, allerdings nur solange bis sie an die Grenzen meiner Überzeugungen stößt?
Oder muss ich mir eingestehen, dass ich intolerant bin?

Möglicherweise ist Toleranz, aber auch gar nicht so sonderlich erstrebenswert. Tolerieren bedeutet, dass man etwas duldet. Man ist zwar nicht damit einverstanden, möchte nichts damit zu tun haben, greift jedoch nicht zur Heugabel, um es aus der Stadt zu jagen.

Akzeptanz!

Ich akzeptiere, zum Beispiel, dass manche Frauen Mutter und Hausfrau sein wollen. Das weicht von dem ab, was ich will und bin, doch ich akzeptiere es, denn wir sind alle Individuen, mit eigenen Interessen, Charaktereigenschaften, Wünschen und Vorstellungen.
Ich kann jedoch nicht akzeptieren, dass ich als Frau dazu verpflichtet bin, Mutter und Hausfrau zu sein.

Akzeptieren bedeutet, dass man etwas anerkennt, nicht einfach nur duldet. Anerkennen, kann ich Dinge, weil sie sind, wie sie sind oder weil sie mit meiner Meinung konform gehen.

Schwieriges Thema, jedoch wichtig, denn so erkennt man, dass eine Gesellschaft, die Toleranz predigt, vielleicht noch einige Probleme mit Intoleranz hat.

Ich wünsche Euch einen akzeptablen Tag.

Angela



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