Freitag, 21. Oktober 2016

Traditionen. Hilfe, man will uns Weihnachten wegnehmen

Angela Gäde


Der Herbst und der Winter haben viele Traditionen, manche sind sehr bunt, manche sehr hell, manche sehr leise. So, da habe ich den Gedankenschluss zum Herbst vollzogen, aber eigentlich bin ich durch einen Post auf das Thema aufmerksam geworden.

Dieser Post beschwerte sich darüber, dass es Winterfeste und einen Sonne, Mond und Sterne-Umzug gibt. Im Grunde sagte dieser Post aus, dass manche Menschen befürchten, ihnen werden die “christlichen Traditionen“ weggenommen.

Meine/unsere Traditionen

Das fand ich interessant, denn mir scheint, dass der Verfasser und alle, die diesem Post zustimmen, sehr wenig über Traditionen wissen.

Nehmen wir Weihnachten.
So wie wir Weihnachten feiern, ist es ein Zusammenschluss verschiedenster Feste. In unseren Breitengraden feierte man die Wintersonnenwende. Dieses Fest ging sieben Tag und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, den Winter gut zu überstehen. Dann kamen die Christen und es fand eine Verschmelzung von Wintersonnenwendfeier und Christi Geburt statt.
Der Tannenbaum ist eine sehr junge Tradition, die sich so richtig erst im ausgehenden 19. Jahrhundert durchgesetzt hat. Das Gleiche gilt für Geschenke und ihre Art.
Der Winter war in früheren Zeiten hart, die Vorräte mussten bis in den Frühling reichen. Aus dieser Zeit stammt z.B. die englische Tradition Früchtebrot zu verschenken. Geschenke waren praktisch und nahrhaft. Heute freuen sich die wenigsten Menschen, wenn sie ein Früchtebrot auspacken.

Als ich Kind war, stand unter dem Tannenbaum immer einen Weihnachtsteller. Auf diesem befanden sich hauptsächlich Nüsse, Mandarinen und Orangen. Ein paar Goldtaler oder Schokokugeln waren auch zu finden, der überwiegende Teil des Weihnachtstellers bestand jedoch aus gesundem Essen.

Wie viele Teller sind heute noch überwiegend mit Nüssen und Mandarinen gefüllt?

Eine andere Tradition meiner Kindheit war das Christkind. Zu Weihnachten kam nicht der Weihnachtsmann, sondern das Christkind. Am 6. Dezember kam der Nikolaus mit Knecht Ruprecht und am 24. Dezember das Christkind.

In wie vielen Haushalten hält an Heilig Abend das Christkind Einzug?

Traditionen unterliegen einem ständigen Wandel. Bereits vor 2000 Jahren unterlagen Traditionen den Einflüssen verschiedenster Kulturen und Religionen. Jeder einzelne von uns trägt zu diesem Wandel bei. Als ich Kind war, haben wir uns am Heiligen Abend immer adrett angezogen. Meine bessere Hälfte und ich finden witzige Weihnachtspullis super (sehr beliebt in England). Da wir keine Gans mögen gibt es Hähnchen und Schmorgemüse (auch dieses ist sehr englisch).
Der kleine Lord, A Christmas Carol und Ist das Leben nicht schön, diese drei Filme brauche ich zu Weihnachten, das ist meine Tradition.
In Korea feiert man am 25. Dezember Christmas (wie in den USA). Als meine beste Freundin mit ihren Eltern nach Deutschland zog, behielten sie diese Tradition erst bei. Mittlerweile wird auch bei ihnen am 24. Dezember gefeiert.

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, dass Weihnachten aus dem Kalender verschwindet, nur, weil es auch Winterfeste gibt. Die Traditionen werden sich im Laufe der Jahre verändern, allerdings ist das vollkommen normal und war schon immer so, man könnte auch sagen, es hat Tradition.


Ich wünsche euch einen traditionellen Tag.

Angela

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