Montag, 7. November 2016

Jane Eyre, Jane Austen; oder was ist mit den Dialogen passiert

Mansfield Park, Emma, Stolz und Vorurteil, Jane Austen


Gestern war mir nach Jane Eyre. Ich liebe das Buch und die BBC-Miniserie (bei Amazon Prime). Die Geschichte ist intelligent, emotional, tiefgründig und erotisch. Ja, sie ist erotisch. Nein, es kommt keine nackte Haut drin vor, keine Sexszenen, aber eben dieser Umstand macht es so erotisch. Die Dialoge, Anspielungen, die Atmosphäre zwischen … Ich breche hier ab, weil ich niemanden spoilern möchte.

Sowohl Jane Eyre, wie auch die Bücher von Jane Austen leben von ihren intelligenten, manchmal humorvollen Dialogen, wieso werden diese in den Neuverfilmungen beschnitten?
Meine Nichte wird mich jetzt für die Aussage steinigen, ich weiß, wie sehr sie den Film mag. Stolz und Vorurteil mit Keira Knightley ist hübsch anzusehen. Die Landschaftsaufnahmen sind toll, aber der Mangel an Dialogen macht mich nicht froh. Das Gleiche Problem habe ich mit der Neuverfilmung von Jane Eyre (mit der Kleinen von Alice im Wunderland). Tolle Bilder, doch wo bleibt der Text?

Erst durch die grandiosen Dialoge bekommt man als Leser (Zuschauer) ein Gespür für das Verhältnis der beiden Protagonisten. In den Gesprächen kann man die Entwicklung der Beziehung nachverfolgen, miterleben. Warum werden sie beschnitten?

Liegt es daran, dass sich die Gesprächskultur im Allgemeinen verändert? Verlieben sich Menschen nicht mehr in einander, weil sie durch Gespräche den anderen besser kennenlernen?
Bei mir und meiner besseren Hälft war das noch so. Zumindest von meiner Seite her. Ich kannte ihn und ich mochte ihn nicht. Er war jedes Mal arschig zu mir, wenn wir aufeinandertrafen. Damit drückte er keine Zuneigung mir gegenüber aus, er war zu allen so. Der Unterschied zwischen mir und den anderen bestand darin, dass ich sein Verhalten weder charmant noch amüsant fand. Irgendwann saßen wir beide in meinem Auto und warteten, also begann ich ein Gespräch und musste feststellen, dass er verdammt intelligent und interessant ist.
Er ist eine Sahneschnitte, doch waren es die Gespräche, die meine Gefühle für ihn weckten. Anekdoten aus seinem Leben, wie er Dinge sah und Goethe. Ja mit dem rezitieren eines Gedichts von Goethe hat er mich geknackt, in dem Moment habe ich mich in ihn verliebt.

Mir ist bewusst, dass es auch Liebe auf den ersten Blick geben kann, aber bei Jane Austen und Jane Eyre ist das nicht der Fall. Die Liebe entwickelt sich, sie hat zuvor Vorurteile, Mauern und blinde Flecke zu überwinden.

Warum also diese bildliche Darstellung?

Weil Taten mehr als tausend Worte sagen? Oder stehen die Zuschauer nicht mehr auf viele Worte? Will sich der Regisseur ausleben? Was ist das? Wenn einer von euch eine Antwort auf die Fragen hat, dann teilt sie mir in den Kommentaren oder bei Facebook oder per Mail mit. Eure Meinung interessiert mich.


Ich wünsche Euch einen beredsamen Tag.

Angela

1 Kommentar:

  1. Ein schöner Bericht****

    Liebe Grüße
    Christa

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