Freitag, 4. November 2016

Selbstfindung, Persönlichkeitsentwicklung und was gern vergessen wird


Überall sind sie zu finden, die 10 Schritte zum Erfolg, Glück, Reichtum usw.
Verheißungsvoll!
Nur 10 Schritte und ich bin ein zufriedener Mensch, dem es gut geht. Wer möchte das nicht? Jeder und deswegen läuft das Geschäft mit der Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung super.

Wenn es einem nicht gut geht, dann wünscht man sich einen Fingerschnipp, der alles gut macht, der wegzaubert, was einen bedrückt. Ich weiß, wovon ich spreche. Als mich das zweite Mal die Angstanfälle so heftig überfielen, habe ich jeden Tag gebetet, gehofft, gewünscht, sie mögen verschwinden. Sie waren doch plötzlich da, dann konnten sie genauso plötzlich verschwinden.

Denkfehler!
Sie waren nicht plötzlich aufgetaucht, es kam mir nur so vor, weil ich die Angst zuvor nicht so extrem wahrgenommen habe. Das ist wie mit einem Burn Out oder einer Depression, man schlingert langsam rein. Man lebt sein Leben und versucht mit Schwierigkeiten klarzukommen, es ist Normalität. Deswegen fällt es einem auch nicht auf, dass man zu viel arbeitet, sich zu viele Sorgen macht, erschöpft oder unglücklich ist, bis die Seele oder Psyche die Notbremse zieht. Plötzlich hat man keine Kraft mehr, muss ständig weinen oder wird von Angstanfällen geschüttelt.

Es wäre wunderbar, wenn man das wegzaubern könnte.
Ich habe viele Selbsthilfebücher und finde immer wieder wichtige, passende Punkte. Auch habe ich nichts gegen 10 Schritte zum …
Was in dieser Persönlichkeitsentwicklung nur leider unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass es Rückschläge gibt.

Du besuchst ein Erfolgsseminar, dass dir helfen soll dein Business aufzubauen. Die Ratschläge sind gut, der Start gelingt, alles läuft super und dann fallen die Zinsen für Kredite. Die Menschen kaufen sich plötzlich Häuser, das ist toll, doch ihr Geld tragen sie nicht mehr in die kleinen Geschäfte, sondern in den Baumarkt. Du erlebst eine Flaute. Jetzt die Nerven zu behalten, ist die wirkliche Herausforderung. Hierfür braucht man 10 Schritte oder Plan B-Z.

Ich selber kenne diese Nervenproben durch meinen Beruf als Autorin und von meinen lustigen Panikattacken. Die letzten Monate liefen ganz gut, mal flog eine Panikattacke an, streife mich und flog wieder weg. Ich hatte es gut im Griff. Seit zwei Wochen ist das anders. Sie kommt und bleibt.
Ich gehöre nicht gerade zu den Menschen, die mit Geduld und Spucke diese Situationen meistern. Ich werde traurig, wütend, negativ.
Ich muss feststellen, dass mir immer noch Dinge weh tun, die ich schon längst aufgearbeitet habe. Ich dachte es, es fühlte sich so an, doch sind sie noch da und tun weh.

Ich denke, dass man manche Dinge nicht wegschnipsen kann, man kann nur lernen mit ihnen umzugehen. Dieser Hinweis fehlt in der Persönlichkeitsentwicklungsszene. Es reichen keine 10 Schritte, es muss auch gezeigt werden, wie man wieder aufsteht, wenn man gestolpert ist oder wie man weitergeht, wenn man eine Weile stehengeblieben ist.

Das klingt wirklich ein bisschen unglaubwürdig, wenn ich das sage (weil keine Geduld und negativ und so), aber wenn du weißt, wovon ich hier schreibe, dann behalte den Kopf oben, verzweifle nicht.
Du hast nichts falsch gemacht und dich auch nicht geirrt.
Es ging dir besser, du hast einen Konflikt gelöst, Dinge aufgearbeitet, das war alles real. Vielleicht hat sich eine neue Situation aufgetan oder eine alte, die diese Dinge noch einmal hervorholt, mit einem anderen Aspekt vermischt.
Angenommen, du traust dir wenig zu, weil man dir immer gesagt hat, du seist eine Niete. Diesen Aspekt hast du aufgearbeitet, die Glaubenssätze aufgelöst. Du hattest danach den Mut dich um eine bessere Stelle zu bewerben, du hast sie bekommen. Du bist keine Niete mehr im Berufsleben.
Du hast sogar einen neuen Menschen kennengelernt, es entsteht eine Beziehung und schon sind sie wieder da, die Glaubenssätze, das Gefühl eine Niete zu sein.

Wie kann das sein?

Im Berufsleben war die Versagensangst offensichtlicher, vielleicht aber nicht ganz so stark. Die Versagensangst im Zwischenmenschlichen-Bereich sitzt tiefer, ist mit anderen Verletzungen gekoppelt. Es ist wie beim Frühjahrsputz. Das Wohnzimmer ist sauer, aber die anderen Räume fehlen noch. Für mich ist das echt ein guter Vergleich. Ich freue mich über das aufgeräumte, geputzte Wohnzimmer, gehe ins Arbeitszimmer und bin entmutigt.

Sei entmutigt, sei sauer und traurig, allerdings nur fünf Minuten und dann mach weiter, du kannst das, ich weiß das, auch, wenn du es im Moment nicht siehst.


Ich wünsche Euch einen krisenfreien Tag.

Angela

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