Donnerstag, 5. Januar 2017

Kritik, oder was stimmt nicht mit mir?


Eigentlich sehnt sich alles in mir nach Urlaubsmodus, bzw. nach einem ruhigen Ausklang des Weihnachtsurlaubs, irgendwie klappt das nur nicht. Statt motiviert meine Arbeit zu planen, bin ich erkältet, mache mir Sorgen um meine Mutter, die momentan im Krankenhaus ist und beschäftige mich mit der Frage, ob ich überkritisch bin.

Wie kam es zu der Frage?
Es kam zu der Frage, weil ich auf einen Post aufmerksam gemacht worden bin, der dazu aufrief, sich zu melden, wenn man ein Buch (Erscheinungsjahr 2016/2017) mit dem Thema starke Frauen vorstellen möchte.
Das sprach mich natürlich an. Ich lese gerne Bücher mit facettenreichen Frauen, sie tauchen in meinen eigenen Büchern auf und es finden sich ziemlich viele Post zu dem Thema auf meinem Blog.
Ich meldete mich auf den Post, stellte mich vor und wurde kritisiert. Erst dachte ich mir, dass ich die Sache vielleicht falsch interpretiere, weil ich gerade emotional ein bisschen angeschlagen bin, musste jedoch feststellen, dass das nicht der Fall war.

Heute Morgen fragte ich meine bessere Hälfte, ob ich überkritisch sei?
Er sagte, dass dem nicht so wäre, allerdings war ich mit einem Fön bewaffnet …
Damit war seine Aussage noch nicht beendet, so etwas hört man ja meistens raus. Nach kurzem Zögern fügte er hinzu, ich sei nicht überkritisch, allerdings kritisch, oft berechtigterweise.
In der Esoterikszene wird gesagt, dass man Dinge, die man aussendet, anzieht. Bist du kritisch, wirst du auch kritisiert.
Wobei dieser Gedanke einen kleinen Haken hat, nicht alles ist magnetisch. Ich glaube nicht, dass ein Literatur-, Restaurant- oder Theaterkritiker ständig kritisiert wird.

Irgendwas stimmt jedoch nicht. Ich habe vor einiger Zeit mein Profilbild geändert, aus rein praktischen Gründen (Einheitlichkeit). Ich habe mir nichts dabei gedacht, nichts erwartet und nicht um Meinungen gebeten. Ich habe es einfach nur geändert und bin dann zur nächsten Arbeit übergegangen.
Der erste Kommentar unter dem Bild war Kritik.
Wie kann das sein? Andere Menschen ändern ihr Profilbild und bekommen 20 Kommentare, in denen davon geschwärmt wird, wie hübsch das Foto sei.

Was stimmt da bitte nicht? Ich bemühe mich stets höflich und freundlich zu sein. Es stimmt, ich kann auch ruppig werden. Ich bin keine Heilige. Nur warum herrscht bei mir so ein Ungleichgewicht? Komplimente, Anerkennung, nette Worte sind rar gesät, dafür werde ich bei Dingen kritisiert, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte.

Klingt so, als würde ich nicht besonders gut mit Kritik umgehen können. Ich werde nicht gern kritisiert, natürlich nicht, trotzdem hinterfrage ich sie.
Ist die Kritik individuell oder allgemeingültig? Kann ich etwas an dem kritisierten Punkt ändern und will ich das?

Ein Beispiel. Ich liebe lange Sätze. Emma und der Fluch der Haguzza war fertig, ich gab ihn meiner besten Freundin zum Lesen.
Deine Sätze sind zu lang!
Ich mag lange Sätze, sie bevorzugt kurze Sätze.
Eine individuelle Kritik.
Das ist ein Jugendbuch, da kannst du keine Sätze verwenden, die eine halbe Seite lang sind.
Die individuelle Kritik wurde zu einer allgemeingültigen Kritik, die ich beherzigte, was “einmal komplett umschreiben“ bedeutete.
Die Sätze gingen übrigens nicht über eine halbe Seite, wir nutzen öfter Übertreibungen zum Verdeutlichen unseres Standpunkts.

Was stimmt nicht? Ich verstehe, dass ich kritisiert werde, wenn ich kontroverse Themen anspreche (die für mich überhaupt nicht kontrovers sind), aber bei Dingen, bei denen ich nicht einmal Erwartungen in irgendeiner Richtung habe?

Ich bilde mir ein, dass ich ein Mensch bin, mit dem man reden kann. Wenn ich etwas sage oder tue, was den anderen verletzt, dann bitte ich darum, dass wir darüber reden. Nur, wenn ich weiß, was ich in dem Zusammenhang nicht richtiggemacht habe, kann ich auch darauf achten. Wenn ich jemanden um seine Meinung bitte, dann möchte ich sie hören. Ich höre Kritik und überprüfe sie. Doch manchmal verzweifle ich ob des Ungleichgewichts und frage mich, was mit mir nicht stimmt.


Ich wünsche Euch einen kritikfreien Tag.

Angela

Kommentare:

  1. Weißt Du, was ich denke, wenn ich das alles so lese: Kommt mir bekannt vor ... Aber ich glaube es geht bei dieser Spiegelsache um einen ganz anderen Punkt. Du wirkst stark. Interessant, dass genau das Buch über starke Frauen hier ein Aufhänger ist. Ganz ehrlichl liebe Angela. Ich bin mir sicher - mit Deinem Auftreten und Deinem Blog wirkst du Bärenstark. Und darauf reagiert die Umwelt. Es gibt verschiedene Facetten, wie sie das tut. Kritik, Verantwortungsexport auf Dich, Ignoranz (Die schon wieder - die kann das auch allein) - oder gar Neid. Glaub mir. Mit 1,77 Metern Körpergröße und einen Beruf, vor dem die Menschen Angst haben - ich kenne das. Lass Dich nicht ärgern.

    Ganz herzliche Grüße

    Alva

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  2. Erst einmal herzlichen Dank für den Kommentar. Deine Worte bringen mich zum Nachdenken (was ganz Neues). Das ist interessant, denn ich bezeichnen mich selbst nie als starke Frau. Im Gegenteil, ich bin ein bekennendes Weichei. Das sich einige bei mir denken; die schon wieder, kann ich mir sehr gut vorstellen. Es ist mehr als vorstellen, so etwas habe ich schon öfter gehört.
    Ich werde noch ein bisschen nachdenken ;)

    Ganz herzliche Grüße zurück,

    Angela

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  3. Ich muss auch etwas dazu schreiben !! Denn manchmal fühlt Frau sich als Weichei , es ist aber in Wahrheit nur das eigene Empfinden! Als ich dachte "ich bin zu langsam" hat mir eine sehr starke Nachbarin gesagt: " Guck mal was Du alles machst und umsetz und guck mal wie schnell und wie viel"......während ich darüber grübel, ob Schildkröte oder Schnecke meine besten Freundinnen sind!! Merke: Manchmal hat man als starke Person bzw. Frau nicht so viele Spiegel im Außen um das Ausmaß an Stärke zu sehen !! Da ist es dienlich den eigenen Selbstwert zum Spiegel zu polieren.Nicht ganz einfach. Aber wer sagt , dass das Leben immer einfach ist. Ich nicht. Schönen Tag !!

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