Freitag, 13. Oktober 2017

Müssen wir meckern?

Angela Gäde autorin

Heute ganz traditionell ein geschriebener Post. Ja, eigentlich wäre heute ein Frag Tante Angela Artikel dran, aber den gibt es am Sonntag.


Stattdessen lasst uns meckern.

Mir ist da etwas aufgefallen, als ich durch Facebook scrollte. Bei dem ersten Artikel ging es um das Thema Kindbett. Im Grunde wurde nur gesagt, dass sich Frauen nach der Geburt ausruhen sollten.

Eigentlich logisch und nicht weiter schlimm.

Falsch!
Die Kommentare gingen überwiegend in die Richtung, dass es ein netter Vorschlag sei, aber nicht umsetzbar, gerade dann, wenn schon Kinder vorhanden sein. Zudem wurde der Eindruck erweckt, dass Männer zu nichts taugen, als den Samen zu spenden, aber das ist eine andere Geschichte.

Theorie und Praxis weichen in der Realität oft voneinander ab.

Das lehrt uns die Erfahrung. Aber müssen wird deswegen direkt meckern und die Vorschläge in der Luft zerreißen?
Ich schreibe an dieser Stelle WIR, weil ich mich gar nicht ausnehmen will oder kann. Auch ich dachte, toller Vorschlag, leider für viele Frauen nicht umsetzbar.

Gestern sah ich ein Video, in dem erklärt wurde, wie man aus 8 Europaletten einen Garten-Korb-Stuhl bauen kann. Witzige Idee, das fertige Ergebnis gefiel mir persönlich nicht. Ich sah, dass dieser Post über 300 Kommentare hatte und mein erster Gedanke war; die meisten werden negativ sein.
Leider hatte ich recht.

Das hält nicht. Dilettanten. So kann man doch nicht arbeiten, mit dem Werkzeug. Die Maße stimmen nicht. Man muss erst …

Ich würde sagen das 70-80 % der Kommentare Gemecker waren. Wir sprechen hier von einer Fun-Bauanleitung und nicht von politischen Meinungen oder dem Rezept für Kindersuppe. Es war nur eine lustige, kreative Idee.

Ist Meckern menschlich oder typisch deutsch?

Warum können wir Dinge nicht einfach stehen lassen, sondern müssen immer unseren Senf dazugeben? Warum muss dieser Senf negativ sein?

Beide Artikel waren nicht schlimm, nicht böse gemeint, es ging nicht einmal um kontroverse Themen.
Frauen sollten sich nach der Geburt schonen.
Korbstuhl aus Europaletten.

Trotzdem haben sich die Leute auf die Worte/Bilder gestürzt und sie zerpflückt.

Mir gefiel der Stuhl nicht, aber ich fand die Idee nett. Wenn es nicht wirklich wichtig ist, kann man die Dinge nicht einfach mal stehen lassen?
Guter Rat.
Ich muss ihn ja nicht annehmen, vielleicht passt er nicht zu mir oder meiner Situation.
Tolle Idee.
Ich muss sie nicht umsetzen, kann aber die Arbeit dahinter wertschätzen.

Wie gesagt, ich nehme mich gar nicht aus beim Meckern. Wie oft sehe oder höre ich etwas und schon kommt das ABER angeflogen.
So kann man das aber nicht sagen. Ist nett gemeint, aber …

Mich nervt das und ich will das nicht mehr. Ich mag nicht dauernd meckern und die negativen Dinge hervorheben, das macht mich nicht froh. Das bedeutet nicht, dass ich meine Meinung unterdrücken will oder alles gut finden muss. Einen Teil meiner Persönlichkeit macht der Zweifler und kritische Beobachter aus, auch das bin ich. Trotzdem muss ich diesen Teil nicht ständig nach außen kehren, vor allem bei Dingen, die einfach nur nett sind.

Da hatte jemand Spaß, etwas zu bauen. Das ist toll. Die Person saß da, grübelte, besorgte sich die Utensilien und baute etwas Nettes. Weil es so ein Spaß war, teilte sie es mit der Welt. Das ist doch schön und das sollte anerkannt werden.

Der Artikel über das Kindbett lässt sich nicht immer umsetzen, vielleicht hat er trotzdem einen positiven Effekt, weil er manchen Menschen die Wichtigkeit einer Erholungsphase näherbringen konnte.

Ob ihr jetzt meckert oder nicht, bleibt euch überlassen. Tut, was euch glücklich macht, doch bedenkt; Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.


Ich wünsche Euch ein meckerfreies Wochenende.

Angela

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