Montag, 16. Oktober 2017

Frag Tante Angela: Steigerung des Wohlbefindens


Manchmal ist man traurig, schwermütig, hat Sorgen. So geht es jedem von uns. Mein Problem, und auch das mag der ein oder andere kennen, ist die Intensität dieser Gefühle.


Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich diesen Gefühlen für eine gewisse Zeit hingeben und dann loslassen können. Mittlerweile versuche ich, nicht mehr vor ihnen wegzulaufen, ich nehme sie an (mal gelingt das besser, mal nicht). Doch leider sind sie damit nicht aufgelöst oder weg, sie beschäftigen mich weiterhin. Deswegen habe ich für mich Strategien entwickelt, nicht von meinen Emotionen weggetragen zu werden.

Solange ich arbeite, etwas zu tun habe, gelingt es mir besser, die Gefühle zu unterdrücken (na, kennt das jemand?), sobald es ruhiger wird, ich zur Ruhe komme, sind die Emotionen, Sorgen, Gedanken ebenfalls da.

Lösung
Mehr Arbeit!
Nein!
Die Emotionen ziehen Kraft, die vermehrte Arbeit ebenso und hinzukommt noch der Kraftaufwand für das Aufrechterhalten der Gefühlsbarrieren. Wir verbrauchen in solchen Zeiten mehr Kraft, als wir haben, was früher oder später dazu führen kann, dass wir ausgebrannt sind. Als erstes brechen die Barrieren und wenn das im Lebensmittelladen passiert … Das will doch keiner.

Deswegen ist es wichtig, dass wir uns gerade in emotional schwierigen Zeiten Ruhe gönnen und Kraft tanken. Nur wie soll das funktionieren, wenn mit der Ruhe die Sorgen und Gefühle kommen?

Wir sorgen für eine Steigerung des Wohlbefindens.

Anders ausgedrückt, wir tun Dinge, die uns guttun, einen positiven Effekt auf uns haben. Mir helfen Dinge, die beruhigend, ordnend oder heimelig wirken.

Dufttherapie
Der Lavendel hat eine beruhigende Wirkung, sowohl als Duft, wie auch als Tee und Gewürz. Ich bevorzuge ihn als Duft.
Wer Lavendel nicht riechen kann, greift auf einen anderen Geruch zurück. Mittlerweile ist die Bandbreite an z.B. Duftkerzen so groß, dass jeder etwas Passendes findet. Bei den meisten Menschen erzeugen Gerüche Erinnerungen, diese Tatsache können wir nutzen.
Ich besitze eine Duftkerze, die nach gerösteten Mandeln riecht und mich direkt an Weihnachtsmärkte erinnert. Wenn ich das rieche, steigen Erinnerungen aus meiner Kindheit auf. Meine Mama und ich laufen über den Weihnachtsmarkt, alles duftet herrlich, die Stände sind hell erleuchtet und die angebotenen Waren erscheinen mir ausgefallen, wunderschön und exotisch.
Ich fühle mich in dieser Erinnerung wohl.

Beschäftigungstherapie
Dieses Wort wird leider sehr häufig abwertend benutzt. Ich bitte euch, den Begriff neutral zu betrachten.
Vor einigen Jahren hatten wir einen Trauerfall in der Familie. Es war sehr schwer für mich, damit umzugehen. Die Trauer ließ mich nicht los, ich konnte nicht abschalten, ihr nicht entfliehen. Plötzlich war da dieser Gedanke. Ich kann euch beim besten Willen nicht sagen, wo er herkam, wie er entstanden ist.

Ich muss meine Hände beschäftigen!

Das war der Gedanke und ich folgte ihm, indem ich anfing, richtig Stricken und Häkeln zu lernen. Das Konzentrieren auf die Maschen, Muster, das Zählen half mir, für kurze Zeit aus der Trauer herauszukommen.

Handarbeiten
Malen
Puzzeln
Basteln
Gartenarbeit


Alles Dinge, die für mich mehrere Effekte haben. Die Konzentration auf etwas Ordnendes, Zählendes (Malen nehme ich hier aus), was mich beruhigt und meine Gedanken klärt.
Meine Hände sind beschäftigt. Ich kann nicht sagen, warum das für mich so wichtig ist.
Am Ende steht die Ausschüttung von Glückshormonen durch die Aktivierung unseres Belohnungszentrums. Ist die Socke fertig, das Bild entstanden oder blühen die ersten Blumen, haben wir etwas vollendet. Die Arbeit hat sich ausgezahlt, wir werden mit dem fertigen Ergebnis belohnt.

Dem Körper etwas Gutes tun
Beruhigende Tees, heiße Schokolade.
Der Duft allein kann bereits ein Wohlgefühl hervorrufen, hinzukommen die Wärme, Inhaltsstoffe und der Geschmack.
Kochen vereint die Beschäftigungstherapie mit der Dufttherapie und dem Genuss.

Das Lesen
Ihm kommt eine Sonderstellung zu, da es uns forttragen kann und/oder Hilfestellung leistet, je nach dem, was wir lesen. Mich entspannen Krimis und Kinderbücher. Ich kann in die Geschichten abtauchen und eine Weile alles vergessen. Gleichzeitig können mir Sachbücher Hilfestellungen bei gewissen Themen bieten, hier fällt ein Wegkommen von der Thematik allerdings weg.

All diese Strategien machen nicht sofort sorgenfrei oder glücklich, helfen aber für kurze Zeit aus der Trauer, der Schwermut und den Sorgen herauszutreten. Am Anfang vielleicht nur für ein paar Minuten, doch können aus diesen, Stunden werden.

Es geht nicht um Kontrolle oder Weglaufen, es geht darum, sich zu erinnern, dass es möglich ist, sich besser oder sogar gut zu fühlen.


Ich wünsche Euch eine gut-fühl-Woche.

Angela

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